Wirtzfelder Unternehmen war Internet-Pionier in Ostbelgien

Die weltweite Vernetzung im Internet gilt als eine der größten technischen Revolutionen der letzten Jahrzehnte und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Am Dienstag ist das "World Wide Web" 30 Jahre alt geworden. In Ostbelgien wurde es Mitte der 90er Jahre durch eine Firma aus Wirtzfeld verbreitet.

Jochen Savelberg bei Apple in Kalifornien (Bild: privat)

Jochen Savelberg bei Apple in Kalifornien (Bild: privat)

„Damals kannte noch niemand das Internet“, erinnert sich Jochen Savelberg, Geschäftsführer von Euregio.net. „Mein Vater ist dann von Ouren bis Kelmis rundgefahren und hat das Internet vorgestellt in Dorfkneipen, in Vereinshäusern und hat den Leuten das nahe gebracht.“

Jochen Savelberg war damals 20 Jahre alt. Die heutige Firma gab es noch nicht. Ihr Vorläufer war eine internationale Computerzeitschrift, die bereits digital publiziert wurde. „Die Leute wollten nicht einmal im Monat ihre Nachrichten haben, sondern sofort. Und so ist das Internet ein Konkurrent geworden zur Zeitschrift. Wir mussten dann umdenken und haben eine neue Firma gegründet.“

Es war die erste Firma dieser Art in Ostbelgien. Zu dieser Zeit gab es in Belgien noch keine großen Internetprovider. Das Wissen eignete sich Jochen Savelberg in den USA an. „Mein Vater hat mich nach Amerika geschickt auf verschiedene Tagungen und Konferenzen, auf Weiterbildungen. So habe ich 1994 im World Wide Web gesurft. Es hat dann noch ein Jahr gedauert, bis wir in Ostbelgien als Internetprovider starten konnten.“

Modem: 30 Sekunden bis zur Verbindung

Es wurden Modems installiert, mit denen sich die Leute ins Netz einwählen konnten. Damit wurden die Savelbergs Internet-Pioniere in Ostbelgien. „Für die Telefonzonen 080 und 087 waren wir effektiv die ersten. Ein anderer großer belgischer Anbieter, Skynet, ist ein paar Monate nach uns gestartet, ist von Belgacom aufgekauft worden und hat dann alle Zonen bedient. Danach wurden alle Zonen zusammengelegt, so dass man nicht mehr in jeder Zone einen eigenen Einwahlpunkt haben musste.“

In den 30 Jahren hat das Internet eine rasante Entwicklung gemacht. Vor allem die Geschwindigkeit des weltweiten Netzes nahm rasant zu. „Wir haben angefangen mit normalen Modems, wo man sich einwählen musste. Es dauerte dann 30 Sekunden, bis man im Netz war, und die Leitung war dann belegt.“

„Seit 2000 gibt es die schnellen Leitungen, die parallel zum Telefon funktionieren. Die Geschwindigkeiten haben sich verzehnfacht oder verhundertfacht – je nachdem wo man wohnt.“ Nicht unbedingt in der Eifel, wo es an vielen Stellen noch hakt. Aber Jochen Savelberg ist zuversichtlich, was die Internetbindungen angeht.

„Es gibt noch vereinzelt Orte, wo man hofft, dass bis Ende des Jahres oder Anfang 2020 auch dort schnelle Internetverbindungen sind. Für einige Unternehmen in Industriezonen ist es schwierig, weltweit zu agieren, wenn das Internet langsam ist. Da muss unbedingt nachgebessert werden, dass die Unternehmen weiter konkurrenzfähig sind.“

Euregio.net hat früher selbst Internet-Leitungen verkauft. Weil dieses Geschäft inzwischen weggefallen ist, konzentriert sich Jochen Savelberg jetzt auf die Entwicklung von Webseiten, die Registrierung von Domainnamen und technische Beratung.

Medienkompetenz

Für die Zukunft hält er zwei Dinge für besonders wichtig. „Also es müsste flächendeckend auf jeden Fall Breitband vorhanden sein. Dann müsste die Politik auch mehr Medienkompetenz beweisen und in den Schulen fördern: dass Kinder, die ans Internet herangeführt werden, für die Zukunft gewappnet sind, wie sie falsche Nachrichten von richtigen Nachrichten unterscheiden können und wissen, dass man sich im Internet nicht wie im Wilden Westen bewegen darf.“

Das gilt natürlich auch für die Erwachsenen. Neben den gesetzlichen Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen muss, ist in den Augen von Jochen Savelberg jeder Einzelne gefragt, verantwortungsvoll und kritisch mit dem Medium Internet umzugehen sowie mit den Informationen, die er dort preisgibt.

Sein Rat: „Was man nicht an der Theke erzählen möchte, sollte man auch nicht ins Internet setzen.“

Michaela Brück