Rückzug aus der Politik: Alfred Lecerf im Porträt

Am Montagabend werden in den verschiedenen Gemeinden der DG die neuen Gemeinderatsmitglieder vereidigt. Dann wird auch in Lontzen Alfred Lecerf das Bürgermeisteramt abtreten und an Patrick Thevissen übergeben. Nach 30 Jahren in der Kommunalpolitik und davon 24 Jahren als Bürgermeister zieht Lecerf sich nun zurück.

Alfred Lecerf nimmt seinen Abschied

Bild: Lena Orban/BRF

Sich engagieren, etwas verändern – das zieht sich wie ein roter Faden durch Alfred Lecerfs Leben. Als junger Mann war er Mitbegründer der Pfadfindereinheit in Herbesthal. Er hat die Arbeit mit den Jugendlichen und auch die Verantwortung als Leiter gemocht. „Den ersten Kontakt mit der Kommunalpolitik hatte ich 1976 bei der Fusion. Damals war ich noch jung und bin nicht in den Gemeinderat gewählt worden. Ich habe dann aber Arbeit in der Gemeinde übernommen und zum Beispiel 20 Jahre lang die Sporthallen als Vorsitzender verwaltet. Nachher ist dann die Sektion Lontzen-Herbesthal der CSP auf mich zugekommen“, erinnert sich Lecerf.

1989 ist er in den Gemeinderat eingezogen – in die Opposition. Eine, wie er heute sagt, sehr gute Erfahrung. „Politik machen“ hieß für Alfred Lecerf immer auch, Projekte der Mehrheit zu unterstützen. „Politik heißt auch, auf gute Ideen der Mehrheit einzugehen“, so Lecerf.

24 Jahre lang war er Bürgermeister der Gemeinde. Sein Büro wird in diesen Tagen immer leerer. Viele Dokumente und Ordner haben sich angesammelt, einen Teil davon wird er seinem Nachfolger da lassen.

Blickt man auf so viele Jahre zurück wie Alfred Lecerf, war da nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Es gab Höhen genauso wie Tiefen in seiner Karriere als Bürgermeister. „Bei den Höhen lege ich großen Wert auf die guten nachbarschaftlichen Beziehungen mit den angrenzenden deutschsprachigen, deutschen, holländischen und frankophonen Gemeinden“, sagt Lecerf. „Zu den negativen Sachen zählt, dass ich über 20 Jahre auf den East Belgium Parc warten musste.“ Heute gehört der East Belgium Park zu seinen Lieblingsplätzen in der Gemeinde.

Im Gemeindehaus hat schon eine kleine Verabschiedung stattgefunden. Alfred Lecerf hat viele Mitarbeiter kommen und gehen sehen, jetzt packt er selber die Koffer. Wie fühlt sich das wohl an? „Wie ein Mensch, der gerne hier gewesen ist, aber auch wie ein Mensch, der loslassen kann und zufrieden ist, weil wir einiges bewegt haben“, antwortet Lecerf.

Ganz auf Alfred Lecerf verzichten muss die Gemeinde allerdings nicht. „Ich habe jetzt schon Anfragen, ob ich in der Gemeinde hier und da noch helfen kann. Also war nicht alles falsch. Es war auch nicht alles gut, was wir gemacht haben, das ist klar, aber wir haben ein Zeichen gesetzt.“ Er hofft, dass das neue Kollegium die Polizei- und Jugendarbeit in der Gemeinde motiviert fortführt – und neue Herausforderungen meistern wird.

Eine Sache, die man ebenfalls mit Alfred Lecerf in Verbindung bringt, ist die Interkommunale Publifin. Vor zwei Jahren hat die Interkommunale für Schlagzeilen gesorgt. „Viele Leute haben zu mir gesagt: Wenn du es nicht warst, dann wäre es ein anderer gewesen. Der ein oder andere wird vielleicht auch anders reagiert haben, aber die meisten Leute waren der Meinung, dass das eine Aufgabe für die Gemeinde war. Wir haben nie Sitzungsgelder verlangt und wir haben einen Großteil davon auch schon zurückbezahlt.“

Wenn er seine Amtszeit noch einmal leben könnte, würde er in manchen Situationen mit Sicherheit anders handeln, sagt er. Darüber braucht er sich jetzt jedoch keine Gedanken mehr zu machen. Nun kann er sich ganz seinen Hobbys widmen. „Ich bin nach wie vor fußballbegeistert. Ich bin auch ein Fan der belgischen Küste und habe ein Domizil in Nieuwpoort. Da werde ich nächstes Jahr sicher schonmal öfter hinfahren, auch weil ich sehr gerne Rad fahre. Radfahren ist eines meiner Hobbys, die belgische Küste ist ein Hobby und meine Enkelkinder.“

Für die Zukunft sind seine Wünsche bescheiden: Gesundheit und die Zeit weiterhin mit netten Menschen verbringen, das wünscht er sich.

lo/mg

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