Filmwerkstatt Ostbelgien: Firma Artivi eröffnet neues Fernsehstudio

In einer ehemaligen Tuchfabrik in der Eupener Unterstadt hat die Filmwerkstatt Ostbelgien ihr neues Zuhause. Dort, wo zuletzt Paraffine für die Lebensmittelindustrie hergestellt wurden, machen Kinder jetzt ihr eigenes Fernsehen. Am Freitag wird das neue Studio der Firma Artivi offiziell eröffnet.

Die 13-jährige Marie ist schon seit zwei Jahren bei der Filmwerkstatt Ostbelgien. Zum ersten Mal steht sie jetzt vor der Kamera. Die Kinder drehen die erste Staffel von Echolino TV – einer Sendung in Kooperation mit dem Medienzentrum und dem GrenzEcho, die voraussichtlich in den nächsten Wochen online gehen soll. Von der Idee bis zur Realisierung nehmen die Kinder alles selbst in die Hand.

Fernsehen ist Teamarbeit – auch bei den Kleinen. Das Drehbuch zur Sendung hat Audric geschrieben: „Es ist eine Art Skript für die Sendung, die wir filmen: die Schauspieler, deren Text, was im Studio passiert, was eingeblendet wird.“

Die Schauspieler stehen in einer Hohlkehle mit Green-Screen: Die siebeneinhalb Meter lange Holzkonstruktion bietet viele Möglichkeiten, Szenen zu kreieren. Sie ist das Highlight des neuen TV-Studios.

Wie im großen Fernsehen gibt es auch in der Filmwerkstatt Ostbelgien einen Regie-Raum, aus dem die Sendung gesteuert wird. Hier stehen auch 13 Schnittplätze zur Verfügung.

Jan und Yannick haben einen verantwortungsvollen Job: „Wir sind hier das Mischerteam. Er sitzt am Audiomischer. Ich schneide live. Das heißt, wenn die was filmen, schauen wir, ob das gut ist, ob wir eine andere Kamera nehmen müssen und so weiter. Das ist das Grobe und Ganze“, sagt Jan.

Insgesamt 70 Quadratmeter stehen der Filmwerkstatt zur Verfügung. Die Räumlichkeiten wurden komplett umgebaut und den Erfordernissen der Filmproduktion angepasst. Neben dem Studio gibt es auch Platz für Verwaltungsarbeit und Besprechungen. Hier trifft sich das Leitungsteam der Filmwerkstatt Ostbelgien.

Michael Thal ist als Technischer Leiter der Filmwerkstatt Ostbelgien für die Technik verantwortlich. Er selbst hat schon mit zwölf Jahren als Mitglied der Filmwerkstatt angefangen und ist auch beruflich im Filmgeschäft geblieben. Nach der Arbeit in Köln hat er hier viele Samstage verbracht, um das neue Studio einzurichten: „Es ist schon so eine Art Lebensprojekt. Es ist toll, alles von Grund auf hochziehen zu können und mit den Kindern arbeiten zu können.“

Filmwerkstatt vor 20 Jahren in Walhorn und Lontzen entstanden

Die Filmwerkstatt gibt es schon seit 20 Jahren. Sie ist in den Schulen von Walhorn und Lontzen entstanden, die Shamy Richter geleitet hat. Seit vier Jahren ist sie eine VoG, die für alle Kinder aus Ostbelgien zugänglich ist. Betreut wird sie durch Richters Firma ArTiVi, die auch Workshops in Schulen anbietet, um Kinder für das Medium Film zu interessieren.

Rund 20 junge Mitglieder zählt die Filmwerkstatt zurzeit. Die Elf- bis 15-Jährigen können jeden Samstag hier kreativ werden. Daneben soll das neue TV-Studio auch an Produktionsfirmen und Kulturschaffende vermietet werden.

Michaela Brück