Leerstehende Gebäude wiederbeleben: Studenten präsentieren Entwürfe

Wie kann man ein Dorf fit für die Zukunft machen und Menschen zusammen führen? Darum geht es bei dem Leader-Projekt "Neues Leben für unsere Dörfer". Die WFG Ostbelgien möchte zusammen mit der RWTH Aachen und der Uni Lüttich anhand von Beispielprojekten zeigen, was in den Dörfern alles möglich ist. Ein Beispiel wurde am Dienstag in Manderfeld präsentiert.

Bild: Lena Orban/BRF

Gleich hinter dem neu gestalteten Dorfplatz in Manderfeld liegt ein alter Bauernhof, der 1865 erbaut worden ist. Er gehört Helena Theissen und ihrem Mann Albert Plattes. Seit 20 Jahren ist das Wohnhaus vermietet, auch Scheune und Stall werden noch genutzt. Auch wenn das erstmal so bleiben soll, haben sie das Gebäude für das Projekt „Neues Leben für unsere Dörfer“ angemeldet. „Ich bin sehr froh, dass wir uns daran beteiligt haben – auch um Möglichkeiten zu sehen, was man nachher aus diesem Gebäude machen kann, wenn es denn mal umgebaut oder weiter verwendet wird“, sagt Albert Plattes.

Und genau darum geht es bei dem Projekt: Was könnte man aus diesem Gebäude in Zukunft machen? Jordi Hennissen ist Architekturstudent an der Uni Lüttich und macht dieses Jahr seinen Abschluss. Er hat sich dem Hof gewidmet und ein Konzept und Pläne erstellt.

In einem Masterplan sei im Vorfeld festgehalten worden, dass es einen Bedarf an Wohnungen für ältere Menschen gebe. Und somit hat sich Jordi Hennissen dem Projekt „Seniorenwohnungen im Ortskern“ angenommen.

Auf seinen Plänen sind sechs Wohnungen eingezeichnet – eine davon über zwei Etagen. Circa 70 Quadratmeter ist jede Wohnung groß und kann von zwei Leuten bewohnt werden.

Eine besondere Herausforderung sei es gewesen, Licht in das Gebäude zu bringen, erklärt Jordi Hennisssen. Man wollte die Vorderansicht des Hauses bewahren, weil diese typisch für Manderfeld sei. Also habe er sich dazu entschlossen, an der Rückseite eine Art Wintergarten zu planen. Eine komplette Rückseite aus Glas soll so mehr Licht in jede Wohnung bringen und macht somit die Aussicht auf die angrenzende Wiese frei.

Außerdem hat er einen Anbau rechts vom bestehenden Gebäude geplant. Dort könnten Gemeinschaftsräume entstehen, die den Bewohnern als Treffpunkt dienen könnten oder sogar der gesamten Dorfgemeinschaft.

Dass es Pläne und Ideen für dieses Gebäude gibt, heißt aber noch lange nicht, dass das Projekt genau so an dieser Stelle verwirklicht wird. Es ist ein Beispiel und soll zeigen, wie man Gebäude, die vielleicht irgendwann keine Funktion mehr haben, sinnvoll wiederbeleben kann. „Es ist einer von über 30 Vorschlägen, die im Leader-Projekt ‚Neues Leben für unsere Dörfer‘ mitmachen“, erklärt Marianke Lesser von der WFG Ostbelgien. „Mit diesem Projekt arbeiten wir in drei Modell-Dörfern, um Ideen und Lösungen anzubieten. Wie können wir wieder mehr Leben in die Dörfer bekommen? Wie können wir leerstehende Gebäude nutzen, um mehr Leben ins Dorf zu bekommen? Das ist das Ziel. Und der alte Bauernhof in Manderfeld ist ein Beispiel dafür.“

Die verschiedenen Entwürfe, die von Studenten zu Gebäuden gemacht wurden, werden ab dem 27. Oktober im Saal Feyen in Wallerode ausgestellt. Alle Beispiele behandeln Umbauten oder Neubauten im Dorfkern.

Albert Plattes und seine Frau können sich jedenfalls die neue Funktion ihres Hofes vorstellen. „Es sind auf jeden Fall viele Ideen vorhanden. Es wäre bestimmt eine Möglichkeit für ein schönes Zusammenleben für ältere Menschen in diesem Komplex, der zum Teil neu gebaut und umgebaut werden müsste.“

Finanzieren könnte ein solches Projekt zum Beispiel ein Investor, oder aber eine Gruppe Senioren, die Lust auf ein solches Projekt hat.

Text und Bilder: Lena Orban