Alternative Wohnformen: Ostbelgier informieren sich in Köln

Wie und wo wollen Menschen leben, wenn sie älter werden? Eine Frage, die auch die ostbelgische Gesellschaft immer mehr beschäftigt. In unserer Region leben die meisten Senioren noch alleine zu Hause. Doch welche alternativen Wohnformen gibt es, wenn das nicht mehr möglich ist? Auf Einladung des Ministeriums hat sich eine Gruppe von Ostbelgiern erfolgreiche Projekte einer Wohnungsbaugesellschaft in Köln angesehen.

Bild: Kabinett Antoniadis

Bild: Kabinett Antoniadis

Im Mehrgenerationenhaus LEDO im Kölner Stadtteil Niehl leben fast 90 Menschen unter einem Dach: jung und alt, Singles und Familien, Menschen mit und ohne Behinderung. Das gemeinschaftliche Wohnprojekt wurde 2009 von zwei Vereinen ins Leben gerufen.

Von Anfang an dabei ist Jamal Goebel. Er hat eine der 64 Wohnungen gemietet und nennt dies einen Glücksfall. Denn das gemeinschaftliche Wohnen bringe viele Vorteile. „Ich empfinde die Gemeinschaft hier vorbildlich. Es ist das, was ich mir unter Gemeinschaft immer vorgestellt habe. Wir müssen nicht alle die gleiche religiöse oder politische Weltanschauung haben, das ist jedem selbst überlassen, aber wir haben den Gesamtkonsens, hier gemeinsam zu leben“, sagt Goebel.

In Kontrast zum Mehrgenerationenhaus steht das Seniorenwohnzentrum – auch ein Projekt der Wohnungsbaugesellschaft GAG. Die Anlage aus den 70er Jahren umfasst 190 Wohnungen mit einem Hausnotrufsystem und einer Sozialstation des Roten Kreuzes, das Pflegeleistungen anbietet.

Die Dimension der Anlage ist in Ostbelgien unvorstellbar, in der Millionenstadt Köln sind die Wohnungen jedoch gefragt. „Es ist nach wie vor eine sehr beliebte Wohnform, wenn man seine eigene Wohnung als Rückzugsort hat. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume, wenn man das Bedürfnis hat mit anderen Mietern in Kontakt zu treten“, erklärt Sabine Seitz, Referentin für neue Wohnformen bei der GAG.

Selbst entwickelt hat die GAG das sogenannte Kölner Modell der Demenz-Wohngruppen. In diesen Wohngemeinschaften leben demenzkranke Menschen und Menschen mit Pflegebedarf in kleinen Gruppen von meist acht Bewohnern zusammen und werden rund um die Uhr betreut.

Die alternativen Wohnformen der GAG können für Ostbelgien eine Anregung sein, findet Sozialminister Antonios Antoniadis – wenn auch nicht so großräumig in der Umsetzung, sondern angepasst an die Region. „Ich habe heute die Überzeugung mitgenommen, dass man das möglichst niederschwellig machen soll. Das muss von unten heraus wachsen und nicht von oben herab diktiert werden“, sagt Antoniadis. „Mit der Übertragung des Wohnungswesen an die DG werden wir den richtigen Schlüssel bekommen, um solche alternativen Wohnformen umzusetzen.“

Auch bei den ostbelgischen Bürgern besteht Interesse an alternativen Wohnformen. Vor allem das Mehrgenerationenhaus hat die Besucher in Köln beeindruckt. Aber es braucht aber nicht nur Interessenten, sondern auch mutige Investoren und eine öffentliche Hand, die neue Wohnformen fördert – das zeigt die Erfahrung der Kölner Initiativen.

mb/mg

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