Strengere Normen in Sachen Luftrettung nicht zum Schaden der Patienten

Fliegt der Rettungshubschrauber unsere Krankenhäuser noch an oder nicht? Diese Frage ist wie aus heiterem Himmel aufgekommen. Die Antwort hängt von der jeweiligen Situation ab. Die strengeren Normen in Sachen Luftrettung sollen aber nicht zum Schaden der Patienten sein. Das haben Verantwortliche der beiden Krankenhäuser in St. Vith und Eupen unterstrichen.

Mike, der neue Helikopter von Bra-sur-Lienne (Bild: RTBF)

Der Helikopter von Bra-sur-Lienne (Bild: RTBF)

Wie die Rotorblätter eines Helikopters hatte eine beiläufige Bemerkung bei einem Pressetermin vor kurzem Staub aufgewirbelt. Der Rettungshubschrauber von Bra-sur-Lienne, so hieß es, dürfe Unfallopfer oder Notfallpatienten vom Einsatzort nur noch in eines der großen Lütticher Krankenhäuser fliegen. So sähen es die europäischen Sicherheitsnormen vor, die dafür ausschließlich anerkannte Landeplätze vorschreiben.

Schluss also mit der innerbelgischen Kulanz, die auch krankenhausgebundene Standorte wie Klinkeshöfchen für Eupen oder den Platz an der BS in St. Vith als Landeplätze noch zuließ. Kein Grund zur Sorge, sagt Dr. Frédéric Marenne, Chefarzt am Eupener Sankt-Nikolaus-Hospital: „Der Notarzt, der mit dem Hubschrauber landet, entscheidet sowieso, ob ein Patient ins Krankenhaus geflogen werden muss. Ansonsten wird er der Ambulanz anvertraut und mit allen Sicherheitsmaßnahmen ins Eupener Krankenhaus gefahren – er wird also im Grunde genommen gleich gut behandelt.“

Diese Praxis bestätigt die geschäftsführende Direktorin Ingrid Mertes aus Sicht der Klinik Sankt Josef in St. Vith: „In sehr vielen Fällen entscheidet der Notarzt, dass die Verletzungen nicht erfordern, dass ein Hubschraubertransport notwendig ist. Er vertraut den Patienten dann der Ambulanz an, die sowieso vor Ort ist, weil der Hubschrauber nicht immer direkt am Einsatzort landen kann.“

Und die ganz dringenden Fälle würden eben in ein spezialisiertes Krankenhaus geflogen. Die Patienten seien gleich gut versorgt – ob mit oder ohne europäisch anerkannten Hubschrauberlandeplatz, bringt es Ingrid Mertes gewohnt direkt auf den Punkt. Sie hat ihren frischgebackenen Eupener Kollegen René Jost und eben Dr. Marenne hinzugezogen, um über die Situation zu informieren. Und Karl-Heinz Cornely vom deutschsprachigen Unterstützungskomitee für das medizinische Luftrettungszentrum (CMH) in Bra-sur-Lienne. Er versichert: „Im Grunde ändert sich gar nichts. Die Leute werden immer noch so gut versorgt wie vorher. Darum ist es uns ein Anliegen, dass der Rettungshubschrauber weiter Unterstützung erhält.“

So kann es auch durchaus vorkommen, dass noch Hubschrauber in der Nähe der hiesigen Krankenhäuser starten und landen, etwa wenn ein Patient dringend in ein anderes Krankenhaus verlegt werden muss. Ingrid Mertes: „Für die dringenden Verlegungen dürfen die Hubschrauber weiterhin egal wo landen – und ganz sicher an den Hubschrauberlandeplätzen an den Krankenhäusern, sei es in Arlon, Libramont, Verviers, Eupen, bei uns, in Malmedy … diese Landeplätze gibt es ja. Nur entsprechen die nicht mehr diesen internationalen Bedingungen. Die sind aber noch immer dazu geeignet, dass ein Hubschrauber dort landet und bei dringenden Verlegungen die Patienten aufnehmen kann. Aber das entscheidet wieder die 112-Zentrale nach ihren Kriterien.“

Stephan Pesch

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