Probebohrungen in Espeler für die neue N62

Seit vielen Jahren wird diskutiert, nun scheint sich endlich was zu tun: Zwischen St. Vith und der belgisch-luxemburgischen Grenze will die Wallonische Region eine Umgehungsstraße bauen. Sie soll den Durchgangsverkehr aus den Dörfern raus halten. In der Nähe von Espeler hat ein Studienbüro aus Frankreich mit Probebohrungen begonnen.

Probebohrungen in Espeler für die neue N62 (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Probebohrungen in Espeler für die neue N62 (Bild: Stephan Pesch/BRF)

Idylle pur am Eulenstein zwischen Espeler und Oudler. Wären da nicht die unübersehbaren Bohrmaschinen. Sie gehen der Sache buchstäblich auf den Grund, mit Blick auf die neue N62. „Entlang der möglichen Trasse befinden sich solche Messpunkte. An dieser Stelle haben wir ein Tal, über das eine Brücke gespannt werden soll. Unsere Probebohrungen sollen zeigen, welcher Art diese Brücke sein könnte und wie sie gebaut werden soll“, erklärt Geologin Florie Depuiset.

Die Bohrungen erfolgen im Auftrag der wallonischen Sofico – sie finanziert die neue Umgehungsstraße. Die Tests hätte es sowieso gebraucht. Kuriorerweise konnten Florie Depuiset und ihre Mitarbeiter vom Studienbüro Fondasol aber auch nicht auf geologische Karten zurückgreifen. „Das hat mit dem Staatenwechsel zu tun. Unter deutscher Hoheit gab es hier noch keine geologischen Erhebungen und die belgische Seite hatte ihre abgeschlossen, als das Gebiet zu Belgien kam. Umso wichtiger sind diese Bohrungen, um die genaue Bodenbeschaffenheit bestimmen zu können.“

Der Ortsname „Am Eulenstein“ hat übrigens nichts mit Eulen zu tun, sondern ursprünglich mit dem Bachlauf Ulf, der hier von einer Brücke überspannt werden soll. Und die soll immerhin rund 400 Meter lang sein. Da sollte man wissen, worauf sie gründet. „Wir untersuchen, wie der Boden beschaffen ist – ob er felsig ist, aus Schiefer oder Sandstein besteht, aus Lehm oder Silt. Wir können feststellen, wie sich im Laufe der Zeit die verschiedenen Schichten überlagert haben“, erklärt Florie Depuiset.

Das lässt sich anhand von Proben aus der Tiefe, den sogenannten „Bohrkernen“ ablesen, die hier ans Licht gefördert werden. Daneben wird noch ein weiteres Verfahren angewendet. „Die Druckmessung gibt uns Aufschluss über die Verdichtung des Bodens. Wir lassen eine Sonde in den Boden, die sich ausdehnt und daran können wir ablesen, wie die Bodenmasse darauf reagiert.“

Gebohrt wird je nach Standort in einer Tiefe zwischen fünf und 21 Metern. Je nachdem worauf die Geologen stoßen, kann es aber mal mehr, mal weniger sein. Und das hat Auswirkungen auf den Zeitplan. „Wenn alles glatt läuft, brauchen wir noch zwei Monate. D.h. wenn wir nicht zu tief bohren müssen, die Maschinen durchhalten und keiner der Arbeiter krank wird – immerhin sind wir im Winter. Klopfen wir also auf Holz.“

Dass sie die Gegend dann von Grund auf kennt, will Florie Depuiset nicht behaupten. Sie weiß nur zu genau, dass der Boden nur ein paar Meter weiter völlig anders aussehen kann…

Stephan Pesch