Symbolischer Streik: Feuerwehrleuten von Stavelot platzt die Hutschnur

Die Reform der Hilfeleistungszonen birgt Sprengstoff für das Verhältnis zwischen freiwilligen Feuerwehrleuten und der Führungsebene. Das ist in der Zone Warche-Amblève-Lienne der Fall. Die freiwilligen Wehrleute der Kaserne von Stavelot haben symbolisch die Arbeit niedergelegt. Sie bleiben einsatzbereit, verlangen aber, dass die Hierarchie sie respektiert.

Es war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte: Die Führungsebene beschloss, Xavier Close, den stellvertretenden Leiter der Feuerwehr von Stavelot, nach Basse-Bodeux zu versetzen. „Das führt im Alltag zu Problemen. Mit der Reform ist die Anwesenheit eines Unteroffiziers zwingend – oft ist nur Xavier Close da. Wenn Feueralarm ist, soll er offenbar von Basse-Bodeux hierhin kommen. Er wird dafür mindestens zehn Minuten brauchen. Damit haben wir einen Ambulanzfahrer weniger, obwohl es uns seit Jahren an allem fehlt. Wir können es einfach nicht verstehen, wir haben überhaupt nicht damit gerechnet“, sagt Alain Collard, Feuerwehrmann von Stavelot.

Die Zone Warche-Amblève-Lienne umfasst sieben Gemeinden und zusätzlich Aywaille. Die Bürgermeister bilden den Zonenrat und haben unterschiedliche Auffassungen. „Ich unterstütze die Wehrleute und kann sie verstehen. Das, was ich vor drei Jahren angekündigt habe, tritt nun ein: Es besteht ein Problem mit dem Management. Die Wehrleute tun sich schwer mit der Reform der Hilfeleistungszonen. Das ist auch in anderen Zonen der Fall. Sie verlangen ein bisschen Anerkennung. Es sind Freiwillige, die es verdienen, dass man ihnen mit ein wenig Menschlichkeit entgegen kommt“, sagt Thierry De Bournonville, Bürgermeister von Stavelot.

Didier Gilkinet, Bürgermeister von Stoumont und Vorsitzender des Zonenrates, ist da anderer Meinung. „Die Reform ist eine Realität und unumgänglich, weil sie gesetzlich verankert ist. Wir hatten vier Kasernen in der Zone 5, die ihre Eigenheiten hatten. Es wird sehr emotional auf die Situation reagiert. Diese Veränderungen verursachen Stress-Situationen und Spannungen, aber wir sind alle Akteure und müssen versuchen, zusammen zu arbeiten und die Zukunft der Zone aufzubauen.“

Die Politiker sind also nicht alle auf einer Wellenlänge. Doch die Reform macht den Wehrleuten das Leben schwer. „Man kann nicht zulassen, dass sich die Lage weiter zuspitzt. Ich habe mich seit einiger Zeit etwas zurückgehalten, weil ich im Zonenrat alleine auf weiter Flur stand. Jetzt haben offenbar auch andere Kollegen Probleme in ihren Feuerwehrkasernen, so dass man jetzt vielleicht mehr auf mich hören wird“, so Thierry de Bournonville.

Die Feuerwehrleute sind verzweifelt, weiß Alain Collard. „Es geht schon seit Jahren so. Die Kommunikation stimmt einfach nicht. Wir haben den Eindruck, dass die Politik sich des Problems bewusst ist, doch jetzt muss sie handeln und neue Regeln einführen, sonst wird es nicht gehen. Als freiwillige Feuerwehrleute sind wir manchmal viel gestresster als für unseren eigenen Job. Ich glaube, viele werden gehen. Das ist traurig für die Bevölkerung und für uns auch, weil wir den Job lieben.“

Am Samstag sollen der Rat der freiwilligen Feuerwehr und der Zonenrat zusammentreffen, um über die Probleme auszutauschen. Die freiwilligen Feuerwehrleute von Malmedy haben übrigens beschlossen, sich ihren Kollegen aus Stavelot anzuschließen und wollen ebenfalls bis Sonntag symbolisch streiken. Sie seien mit den selben Problemen konfrontiert und bemängelten den Mangel an Respekt, der ihnen entgegengebracht werde, erklärten sie in einem Kommuniqué.

Chantal Delhez

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