Zu viele Stadtmärkte in Eupen? Inhaber äußern sich

In Eupen wird zur Zeit heftig über die Zunahme von Stadtmärkten diskutiert. Inzwischen wird sogar an einer Charta für den Einzelhandel gearbeitet, die nur eine bestimmte Anzahl gleichartiger Geschäfte zulassen soll. Alleine acht "Nightshops" gibt es mittlerweile in der Oberstadt.

Stadtmarkt "Ararat" von Turgut Ramazan in der Eupener Paveestraße (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

Stadtmarkt "Ararat" von Turgut Ramazan in der Eupener Paveestraße (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

In Eupen wird zur Zeit an einer Einzelhandelscharta gearbeitet, die einen Branchenmix festlegt und nur eine bestimmte Anzahl gleichartiger Geschäfte zulässt. Hintergrund ist die Zunahme von sogenannten Stadtmärkten, die auch als Nightshops bezeichnet werden.

Gleich acht von ihnen gibt es inzwischen allein in der Oberstadt, alle im Umkreis von wenigen hundert Metern. In einem Gespräch mit dem GrenzEcho kündigte Schöffe Arthur Genten an, gegensteuern zu wollen. Das bedeutet: Die Stadtverantwortlichen möchten nicht nur die Ansiedlung weiterer Stadtmärkte verhindern, sondern auch die Zahl der bislang bestehenden reduzieren.

Turgut Ramazan in seinem Stadtmarkt "Ararat" in der Eupener Paveestraße (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

Turgut Ramazan in seinem Stadtmarkt „Ararat“ in der Eupener Paveestraße (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

Inhaber schätzen Lage ein

Turgut Ramazan betreibt seit 2005 einen Stadtmarkt in Eupen, zunächst in der Bergstraße, dann in der Klosterstraße und seit fünf Jahren den Ararat-Market in der Paveestraße. Der 48-Jährige Kurde aus der Türkei (verheiratet, Vater von vier Kindern) fühlt sich gut integriert in der Stadt, ist hier im wahrsten Wortsinn angekommen. Er hat viele Stammkunden.

Zwei ältere Damen, die lieber anonym bleiben möchten, schätzen seinen Laden und ihn selbst, betonen, dass sie es lieben, hierher zu kommen und gerne ein bisschen mehr zahlen als im Supermarkt. Dafür sei aber alles viel persönlicher, herzlicher, oft rede man lange miteinander – über Gott und die Welt. Auch das Angebot sei breitgefächert, man finde fast alles.

Ramazan betont, dass er wie jeder andere auch seine Steuern zahle, legt sofort die Dokumente dazu vor – ungefragt. Die Geschäfte laufen nicht schlecht, aber er spürt den Druck der Konkurrenz. Kein Problem hat er mit der Eupener Mentalität, mit den Einheimischen, er fühlt sich inzwischen hier beheimatet.

Dulafera Besirevic und Diana Ismic in "Jasminas Market" in der Eupener Kirchstraße (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

Dulafera Besirevic und Diana Ismic in „Jasminas Market“ in der Eupener Kirchstraße (Bild: Rudi Schroeder/BRF)

Zweihundert Meter unterhalb von Ramazans Laden hat letzten Freitag in der Kirchstraße ein weiterer Stadtmarkt eröffnet: „Jasminas Market“. Alles neu, hell und übersichtlich. Inhaberin ist Dulafera Besirevic, eine Bosnierin. Deren Schwägerin, Diana Ismic, wehrt sich gegen den Eindruck, dass ihr Warensortiment den anderen wie ein Ei dem anderen gleiche. Sie bringt zwar Verständnis dafür auf, dass manche finden, die Zahl der Stadtmärkte sei zu hoch – aber das sei allemal besser als die Leerstände.

Nur wenige Schritte von Jasminas Shop entfernt liegt der Stadtmarkt von Nurettin Demitasr an der Bergstraße. Seit neun Jahren macht der türkische Kurde in Eupen seine Geschäfte, seit vier Jahren an diesem Standort. Auch er ist inzwischen ein Alteingesessener, hat ein breites Angebot. Den Boom der Stadtmärkte sieht er kritisch und verweist darauf, dass dadurch seine Kunden weniger werden. Doch keine Frage, er will Eupen weiterhin die Treue halten, denn er liebt die Stadt und ihre Menschen.

Rudi Schroeder

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