Befähigungsnachweis: Wer zur Feuerwehr will, muss sich erst bewähren

"Ich will Feuerwehrmann werden." So sprach der kleine Drache Grisu vielen Kindern aus dem Herzen. Der Weg dahin ist aber gar nicht so leicht. Seit der Feuerwehrreform brauchen alle Anwärter erst einmal einen föderalen Befähigungsnachweis. In der Eupener Feuerwehrkaserne werden sie darauf vorbereitet.

Feuerwehrübung bei der Feuerwehr Eupen

Dass sich nicht alles im Vorhinein planen lässt, gehört bei der Feuerwehr nun mal zwangsläufig dazu. Das wussten die beiden jungen Kelmiser Dorian Hans und Nicolas Meesen aber schon ehe sie sich dafür entschieden hatten, hier mitzumachen. „Seit der Jugendfeuerwehr sind wir in Kelmis aktiv, auch im Rettungsdienst. Und dann ist es natürlich ein Traum, irgendwann auch mal zu den Groβen in die Feuerwehr zu kommen“, sagt der 21-jährige Nicolas Meesen.

Die richtige Motivation ist das eine, na sagen wir: schon mal die halbe Miete… Seit dem 1. Januar 2015 und der Schaffung der sogenannten Hilfeleistungszonen muss jeder Feuerwehranwärter aber erst einmal eine Reihe von Tests absolvieren, an deren Ende der föderale Befähigungsnachweis steht – eine Art „Eintrittskarte“, ehe bevor es zum Einsatz gehen kann. „Man soll sie nicht unterschätzen, aber sie ist machbar. Und wir als Hilfeleistungszone DG sorgen dafür, dass die Leute, die sich für diesen föderalen Befähigungsnachweis einschreiben, auch zweimal die Möglichkeit haben, sich hier am Standort Eupen auf diesen Test vorzubereiten“, erklärt René Schoonbrood, Offizier der Hilfeleistungszone 6.

D.h. die Kandidaten werden praktisch in die Situation versetzt, wie sie sich ihnen bei den einzelnen Tests darstellt. Und auch die sind – abgesehen von allgemeinen Wissensfragen und gewissen Fitnessübungen – möglichst nah an den Anforderungen für den Feuerwehreinsatz ausgerichtet. Für Dorian und Nicolas ist das alles eh kein Problem – sie haben den föderalen Befähigungsnachweis schon in der Tasche. „Ich denke, das ist sinnvoll, denn so bekommt man ein Gefühl für die zukünftigen Tätigkeiten. Und auch sportliche Ausdauer ist von Nöten, denn das ganze Material wiegt doch einiges und ein Einsatz kann sich über mehrere Stunden hinziehen“, sagt der 20-jährige Dorian Hans.

Ein Beispiel aus der Fitness-Testreihe: einen wassergefüllten Feuerwehrschlauch 20 Meter weit schleppen. „Schwer daran ist eigentlich zuerst mal der sportliche Teil. Dann gibt es natürlich noch so ein paar andere Tests, bei denen man die Handfertigkeiten unter Beweis stellen muss. Das ist ein bisschen schwierig, aber ich glaube, das sind Herausforderungen, denen man sich gerne stellt“, sagt Nicolas.

Die nötigen Griffe, wie hier beim sachgemäßen Zusammenrollen des Schlauchbündels, müssen den Feuerwehrleuten ja auch in kniffligen Situationen leicht von der Hand gehen. „Handwerklich sollte man ein bisschen üben: Holz sägen, bohren… Der kognitive Test ist, wenn man gut in der Schule aufgepasst hat, definitiv zu schaffen. Und man sollte ein bisschen sportlich sein und dann geht das“, findet Dorian.

Und warum soll sich in dieser Männerdomäne nicht auch eine Frau behaupten können? „Das Schwere für eine Frau ist die fehlende Muskelkraft. Es ist alles auf Männertechniken ausgelegt“, sagt Gina Münster. Sie ist seit zwei Jahren Feuerwehrfrau – vorher hat sie ein Jahr die Ausbildung gemacht. „Wir müssen eine gewisse Anzahl Stunden Schulungen machen und das ist ab und zu schwer, unter einen Hut zu kriegen mit dem Studium. Man muss sich das gut einplanen, aber ansonsten: Wenn man will, dann kann man“, sagt sie.

Die gestiegenen Ansprüche in Sachen Aus- und Weiterbildung der Wehrleute stellen aber gerade für Freiwillige Feuerwehren, wie sie die Hilfeleistungszone 6 in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und andere Zonen ausmachen, schon eine schwierige Herausforderung dar. „Früher konnte man noch mit relativ wenigen Stunden in den Feuerwehrdienst eintreten. Die Ausbildung ist jetzt wesentlich anspruchsvoller und umfangreicher geworden. Beim Feuerwehrmetier geht es ja nicht nur ums Löschen, sondern auch um technische Hilfeleistung, logistische Unterstützung usw. Es ist sehr breit gefächert“, erklärt Schoonbrood.

„Aber man merkt, dass das Interesse für die Feuerwehr nachgelassen hat, weil halt mehr gefordert wird.“ Dabei wird bei der Feuerwehr jeder Mann und – wie wir sehen konnten – durchaus auch die ein oder andere Frau gebraucht.

Die nächsten Tests zum föderalen Befähigungsnachweis werden übrigens Anfang Dezember in Eupen organisiert – in deutscher Sprache. Einschreibefrist ist der 15. November.

sp/mg

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