Ein kostbares Museum für Kelmis

Noch hat es keinen Namen, aber wenn das neue Museum von Kelmis fertig ist, soll sein Glanz weit über die Gemeinde hinaus strahlen. Die Arbeiten am ehemaligen Direktionsgebäude der Vieille Montagne sind zur Zeit im vollen Gange und die Erwartungen sind hoch.

Das neue Museum von Kelmis entsteht im alten Direktionsgebäude

Ein Gebäude atmet Geschichte – zur Zeit aber vor allem Staub und Bauschutt. Ab nächsten Sommer soll hier die sagenhafte Geschichte von Neutral-Moresnet erzählt werden. Noch glänzt das 1910 im Jugendstil gebaute Direktionsgebäude der Vielle Montagne nicht.

Aber schon bald soll es Museum und Schmuckstück zugleich sein. „Auf jeden Fall verdient Kelmis so ein Museum“, findet Bürgermeister Louis Goebbels. „Wir haben nunmal eine einzigartige Geschichte.“

Doch fürs erste ist die Baustelle ein Kostenfaktor. Bei 1,5 Millionen Euro lag die Schätzung. Heute ist bereits von 1,8 Millionen Euro die Rede. „Bauen im Bestand ist immer ein Abenteuer. Überraschungen gibt es permanent“, sagt Infrastrukturschöffe Rainer Hintemann (Ecolo).

„Die Überraschungen, die wir schon hinter uns haben, sind die Anforderungen des Denkmalschutzes und der Dienststelle für selbstbestimmtes Leben. Außerdem will das Museum in die nächsthöhere Kategorie, deshalb mussten wir die museale Gestaltung sehr aufwendig mit einbinden. Das hat von der ursprünglichen Bauplanung her eine Menge neuer Ideen gefordert.“

Weitere Überraschungen werden nicht ausgeschlossen. Ein Fass ohne Boden, sagt dazu die CSP-Opposition im Gemeinderat. „Das ist eindeutig zu viel. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, wo Louis Goebbels gesagt hat, er würde das Museum für 600.000 Euro sanieren“, erklärt Marc Langohr (CSP). „Mittlerweile haben wir eine Kostenexplosion und sind bei 1,8 Millionen Euro. Eindeutig zu viel.“

„Man muss wissen, dass es die Möglichkeit gab, das Museum am alten Standort zu sanieren. Da sprach man von Umkosten von etwa 400.000 Euro, das wäre durch einen Zuschuss der Deutschsprachigen Gemeinschaft noch günstiger geworden.“

„Es gibt ja viele Beispiele von anderen Projekten, die dann immer wieder Geld kosten. Die Erfahrung macht man. Und ich muss mir das eben auch gefallen lassen“, sieht Goebbels die Situation gelassen. In jeder Hinsicht ist er bereit, diesen Preis zu zahlen. Erst recht, da das Park-Hotel Gewinne erziele. Das mache den Schaden wieder weg, so der Bürgermeister.

Doch die CSP bleibt skeptisch. „Ob das Park-Café so viel abwirft, das werden wir sehen, wenn die Zahlen vorliegen“, sagt Langohr. „Wir möchten aber als CSP betonen, dass wir absolut hinter der Idee stehen. Wir hätten uns gewünscht, dass man damit angefangen hätte.“

„Wenn ich als Bürgermeister das Gebäude unter Denkmalschutz stelle, dann weiß ich doch genau, dass es Auflagen gibt und dass diese mit Kosten verbunden sind. Wenn man jetzt im Nachhinein sagt: Das habe ich nicht gewusst, dann ist das eine relativ naive Vorgehensweise.“

Aber der Bürgermeister bleibt dabei: „Das Gebäude als solches ist ja schon ein Denkmal. Ein Denkmal unserer industriellen und historischen Vergangenheit. Es wird oft kritisiert. Aber inzwischen haben wir schon einen Tag der offenen Türe gehabt, wo viele Menschen gesagt haben: Ihr macht das doch richtig. Wenn das Museum dann besucht wird von den vielen Holländern, die inzwischen nach Kelmis kommen, und der Tourismus dann floriert, dann haben viele Verständnis dafür, dass es ein bisschen Geld gekostet hat.“

Auch Schöffe Hintemann ist da ganz auf der Linie des Bürgermeisters. „Was unbedingt gesagt werden muss: dass es ein fantastisches Gebäude ist, dass die Idee fantastisch ist, in dem Denkmal ein Museum einzubauen. Eine andere Nutzung hätte dieses Haus nie bekommen können. Oder man hätte es abreißen müssen.“

Kelmis bekommt ein kostbares Museum. Ob es das wert war, davon soll sich ab Sommer 2018 dann jeder selbst ein Bild machen können.

Das neue Museum von Kelmis entsteht im alten Direktionsgebäude

mz/km - Bilder: Manuel Zimmermann