20 Jahre Rettungshubschrauber von Bra-sur-Lienne

Wer auf dem Land wohnt, weiß die schnelle Hilfe zu schätzen: Der Rettungshubschrauber von Bra-sur-Lienne ist aus unserer Region nicht mehr wegzudenken. Seit 1997 gibt es ihn. Aus Anlass des 20-jährigen Bestehens schauen wir, wie diese Hilfe funktioniert und wer dahinter steht.

Rettungshubschrauber von Bra-sur-Lienne in Bütgenbach

Rettungshubschrauber von Bra-sur-Lienne in Bütgenbach (Archivbild)

Notruf: ein Verkehrsunfall in der Region mit Schwerverletzten. In Bra-sur-Lienne eilt die Mannschaft zum Einsatz. In nicht einmal drei Minuten ist der Rettungshubschrauber in der Luft – mit einem Arzt und einem Pfleger. Mehr als 1.200 Einsätze ist der Rettungshubschrauber im letzten Jahr geflogen.

Allein in Ostbelgien sind es über 100 pro Jahr, erklärt Karl-Heinz Cornely vom deutschsprachigenUnterstützungskomitee. „Die 112-Zentrale funkt den Rettungshubschrauber an. Dann werden die Koordinaten im GPS eingetragen und wir könnten bis zu fünf Meter neben dem Patienten landen. Meistens steht ein Feld, eine Wiese oder ein Garten zur Verfügung, wo man landen kann. Es werden auch schonmal Straßen oder Kreuzungen gesperrt, damit er sicher landen kann.“ Im Durchschnitt landet der Rettungshubschrauber 300 Meter neben dem Patienten.

Auch nachts wird geflogen. Dafür hat man 2009 in Ostbelgien eine europaweit einmalige Möglichkeit geschaffen – mit beleuchteten Landeplätzen. „Der Pilot kann per Handy über 100 Landeplätze ansteuern. Per Handy macht er auch Lampen an und so kann der Rettungshubschrauber auf einem sicheren und beleuchteten Platz landen“, erklärt Cornely.

Der Rettungshubschrauber aus Bra-sur-Lienne ist rund um die Uhr einsatzbereit – sieben Tage die Woche. Um den Dienst zu gewährleisten, steht eine Mannschaft aus fünf Piloten, 15 Ärzten und 20 Pflegern zur Verfügung. Technisch ist der Rettungshubschrauber auf dem neuesten Stand. „Das ist ein Helikopter 145, das ist also wirklich der Mercedes unter den Rettungshubschraubern“, so Cornely.

Staatliche Anerkennung fehlt

In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Rettungshubschrauber von Bra-sur-Lienne zu einem Dienst entwickelt, der in den ländlichen Gebieten der Provinzen Lüttich und Luxemburg unverzichtbar geworden ist. „Wir leben hier im ländlichen Gebiet. Unsere Wege zu den größeren Krankenhäusern sind meist weit. Nach Lüttich oder Aachen braucht man immer fast eine Stunde. Mit dem Rettungshubschrauber dauert es nur eine Viertelstunde.“

Dem Rettungshubschrauber fehlt aber immer noch die staatliche Anerkennung. Deshalb erhält er auch nur 65.000 Euro Zuschuss vom Staat anstatt 250.000 Euro. Um eine offizielle Anerkennung zu erhalten, müsste der Rettungshubschrauber an ein Universitätskrankenhaus angeschlossen sein und auch dort stationiert werden. Das nächste wäre in Lüttich – zu weit weg vom ländlichen Raum. „Bra ist wirklich der Mittelpunkt einer roten Zone. Im ländlichen Gebiet brauchen wir den Rettungshubschrauber eher als in der Stadt. Wir bekommen aber weniger Unterstützung vom Staat. Wir kämpfen, um diese Anerkennung zu bekommen, aber wenn wir dann nah dran sind, wechselt wieder die Regierung und das Ganze fängt wieder von vorne an.“

Viel Unterstützung aus Ostbelgien

Weitere Zuschüsse der beiden Provinzen, von 30 Gemeinden und vor allem Spenden und Mitgliedsbeiträge ermöglichen den Rettungsdienst. Stand er 2002 noch vor dem Bankrott, schreibt er heute schwarze Zahlen. Vor allem aus Ostbelgien kommt viel Unterstützung. „Als ich 2003 anfing, das Unterstützungkomitee zu gründen, gab es 429 Mitgliedskarten im deutschsprachigen Raum, mittlerweile haben wir über 4000 Mitgliedskarten. Das ist also eine sehr große Steigerung“, so Cornely.

Das will das Team von Bra-sur-Lienne feiern. Zum 20-jährigen Jubiläum findet am Sonntag, 17. September, ein Tag der Offenen Tür statt. Der Retttungshubschrauber fliegt dann wie gewohnt seine Einsätze. Daneben gibt es Shows und Rundflüge mit einem privaten Helikopter. Der Tag der Offenen Tür in Bra-sur-Lienne beginnt um 12:00 Uhr. Das Programm geht bis 18:00 Uhr.

mb/mg - Arcvhivbild: Centre Medical Heliporte (CMH)

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