Die Vennstraße: Nicht das einzige Problem der Polizei

Die N68 zwischen Eupen und Malmedy - im Volksmund Vennstraße genannt - macht immer wieder von sich reden, vor allem nach tragischen Unfällen. Am Wochenende war ein 23-jähriger Mann aus Eupen ums Leben gekommen. Da stellt sich die Frage: Wird auf der Vennstraße zu viel gerast und zu wenig kontrolliert?

Baraque Michel: Zusätzliche Entschärfung der Verkehrssituation durch Bodenschwelle

Insgesamt vier Polizeizonen sind für die N68 zwischen Eupen und Malmedy zuständig. Nach Angaben der Polizeizone Weser-Göhl wird dort regelmäßig kontrolliert – schon allein, weil auf dem kleinen Streckenstück von Eupen bis zur Gemeindegrenze Baelen eine feste Blitze steht. Zudem werde auf der Malmedyer Straße auch die mobile Blitzeinheit regelmäßig eingesetzt. Und die hat 2016 die Geschwindigkeit von 584 PKW gemessen. 21 waren zu schnell. Der Schnellste fuhr mit 86 km/h in dem Bereich, wo nur 50 erlaubt ist.

Die feste Blitze hat 2016 sage und schreibe 1.100 Fahrer geblitzt, die zu schnell unterwegs waren. Das sind monatlich 90 bis 100 Fahrer die protokolliert werden. Der Schnellste fuhr sogar 102 Stundenkilometer. Das war nicht nur teuer, da ist auch der Führerschein für eine Weile weg. Das entscheidet dann aber nicht die Polizei sondern ein Richter.

Polizeizone Herver Land

Auch auf dem Gebiet der Zone Herver Land darf man auf dem elf Kilometer langen Teilstück, das vom Gebiet Baelen bis hinter dem Parkplatz Drossart und vor Belle-Croix reicht, bis zu 90 km/h fahren. Dort hat es 2014 und 2015 jeweils einen tödlichen Unfall gegeben. Seit 2013 gerechnet, kommen dort jedes Jahr Unfälle mit drei bis sechs Schwerverletzten hinzu.

In den letzten fünf Jahren wurden dort jedes Jahr mindestens 20 bis maximal 26 Radarkontrollen durchgeführt. Nach den tödlichen Unfällen waren es einige mehr. Im Schnitt vergehen also mindestens zwei Wochen bis eine neue Radarkontrolle stattfindet.

Der in der Polizeizone Herver Land für die Verkehrssicherheit zuständige Kommissar Jacques Maton hat die Zahlen auch kommentiert. Und zwar mit den Worten: „Wir können leider nicht überall sein“. Er weist darauf hin, dass es im Herver Land viele Nationalstraßen gibt, die auch kontrolliert werden müssen. Man würde gerne mehr kontrollieren. Er fügte auch hinzu, dass es kein Zufall sei, dass man vor Jahren den Kreisverkehr Drossard gebaut habe – ganz einfach, um das Tempo auf der Strecke zu drosseln.

Polizeizone Fagnes

In der gesamten Polizeizone Fagnes – also auf dem Gebiet von Spa, Jalhay und Theux – hat Zonenleiter Jean-Marie Paquay 2015 und 2016 keinen einzigen tödlichen Unfall zu beklagen. Aber dieses Jahr habe es alleine im Monat Juli und August gleich vier tödliche Unfälle gegeben. Nicht immer sei dabei ein Auto im Spiel gewesen. Einer verunglückte tödlich nach einem Sturz mit dem Fahrrad. Und ein Kind wurde vom elterlichen Traktor überfahren.

Auch wenn er keine detaillierten Zahlen für die N68 zur Hand hat, ist laut Paquay klar: Wo wir sind, geschehen einfach weniger Unfälle. Und deshalb müsse seine Zone – die ja zwischen den beiden Autobahnen E40 und E25 liegt – dort besonders viel kontrollieren. Die größten Sorgen bereiten da aber die ganzen LKW, die von der Autobahn kommen oder dorthin fahren.

Ein weiteres Problem sei aber auch die Terrorwarnstufe 3, die dafür sorgt, dass Personal in den Polizeizonen fehlt.

Die Vennstraße, die sich in seiner Zone von Belle-Croix bis Baraque-Michel erstreckt, sei aber nach den Umbauarbeiten am Parkplatz Baraque-Michel kein Sorgenkind mehr. Vor dem Umbau, sei die Strecke deutlich unfallträchtiger gewesen.

Polizeizone Stavelot-Malmedy

Die Polizeizone Stavelot-Malmedy ist flächenmäßig die größte in der Provinz Lüttich. Und die Rennstrecke von Francorchamps fällt in diesen Zuständigkeitsbereich. Laut Zonenleiter Bernard Goffin verunglücken in der gesamten Polizeizone im Schnitt jährlich fünf Menschen tödlich, so auch 2015.

2016 habe es sogar elf tödlich Verunglückte gegeben – besonders viele. Dieses Jahr gibt es erst ein Todesopfer. Und man hofft, dass es dabei bleibt und man den Trend brechen kann.

Viele der Toten sind Motorradfahrer. Laut Zonenchef Goffin lassen sich aber auch viele Autofahrer von der aufregenden Rennstrecke dazu verleiten, zu schnell zu fahren. Und auch er würde gerne mehr kontrollieren. Aber seine Polizeizone verfügt nur über eine mobile Radarkontrolleinheit. Und die muss dann auf sechs Gemeinden verteilt werden.

Und diese mobile Einheit hat 2015 in der gesamten Zone die Geschwindigkeit von knapp 67.000 PKW gemessen. 2016 aber nur noch rund 33.600. Hintergrund waren die Terroranschläge im März des Jahres. Da durften Polizisten nicht mehr alleine unterwegs sein, weil sie als potentielles Angriffsziel galten. So etwas sorgt natürlich für Überstunden, die irgendwo wieder fehlen.

Deshalb hat die Polizeizone 2017 auch an dem Lidar-Projekt der Wallonischen Region teilgenommen. Da kann sich eine Polizeizone eine Radarfalle ausleihen. Und das hat dazu geführt, dass man schon Ende Juli die Geschwindigkeit von rund 108.000 PKW gemessen hatte.

Fazit: Wird auf der Vennstraße genug kontrolliert?

Zusammenfassend könnte man sagen: Die Polizei würde insgesamt gerne mehr kontrollieren, wenn sie denn könnte – auch auf der Vennstraße. Sie ist davon überzeugt, dass dadurch Unfälle verhindert werden. Auch wenn viele sagen, da geht es doch nur darum, die Staatskasse zu füllen.

Einer der da widerspricht ist zum Beispiel Harald Meyer von der Föderalen Polizei in Eupen. Als bestes Beispiel nennt er die Blitzermeldungen im Radio, wie es sie auch beim BRF gibt. Diese würden helfen zu sensibilisieren. Ihm und vielen Sicherheitsexperten bei der Polizei, sei es lieber, man geht nach so einer Meldung vom Gas runter, statt Hunderte Euro zu kassieren und ein Kilometer weiter hinter der Blitze wird dann ein Kind überfahren.

mz/mg - Archivbild: BRF

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