Trockenheit: Raerener Landwirte hoffen auf Hilfe

Hat es in Raeren und Mont-Saint-Guibert mehr geregnet als in den anderen 260 Gemeinden der Wallonie? Diese Frage steht im Raum, seitdem Wetterexperten des Meterologischen Instituts den Ausnahmecharakter der Trockenheit bestätigt haben, die von August 2016 bis Juni 2017 anhielt. Die Meterologen beziehen sich auf statistische Erhebungen und Messungen im Laufe der letzten 20 Jahre.

Trockenheit

Laut MIR erreichten die Niederschlagsmengen in Raeren und Mont-Saint-Guibert nicht den Grenzwert, ab dem von außergewöhnlicher Trockenheit die Rede ist (Illustrationsbild)

Verfügt Raeren über ein Mikroklima, fällt dort mehr Regen als anderswo? Hans-Dieter Laschet, der Bürgermeister der Gemeinde, nimmt es zunächst mit Humor, ist aber verwundert über die Schlüsse, die das Meterologische Institut gezogen hat. „Das wäre sehr schön, dann könnten wir uns ‚Bad Raeren‘ nennen. Das wäre hervorragend für das Image der Gemeinde“, scherzt Laschet. „Das MIR hat Zahlen rausgegeben, nach denen wir doch mehr Regen hatten. Unsere Landwirte sind somit betroffen für die Ernteschäden. Offiziell haben wir noch keine Zahlen bekommen, aber die Prozedur mit den Landwirten hat bereits stattgefunden. Vor zehn Tagen haben wir sie geladen und die Landwirte haben jetzt zwei Wochen Zeit, ihre Zahlen und Schäden offiziell reinzugeben. Die werden dann dem Landwirtschaftsministerium mitgeteilt“, erklärt Laschet.

Mit anderen Worten, so Laschet: Man solle jetzt auf keinen Fall die Nerven verlieren. Die Schäden, die die Landwirte zu beklagen haben, werden überprüft. Der Ausschuss zur Feststellung der Ernteschäden hat schon einmal getagt, ein zweites Treffen findet nach der Ernte statt. „Wir gehen davon aus, dass 70 Prozent der Landwirte betroffen sind. Die Landwirte haben noch die ganze Woche Zeit vorbei zu kommen, viele sind auch schon hier gewesen. Die Zahlen werden wir dann Ende nächster Woche haben. Es hängt auch davon ab, wo man Wiesen hat, wie der Boden beschaffen ist, etc.“

Auch der wallonische Landwirtschaftsminister Collin beruhigt und erklärt, dass man die Landwirte aus Raeren und Mont-Saint-Guibert ebenso für eine Inanspruchnahme des Katastrophenfonds berücksichtigen wird wie die anderen. Und er fügt hinzu: Wenn es in Raeren ein Mikroklima gäbe, wisse man das ganz bestimmt. Wenn man die geographische und topographische Lage der beiden betroffenen Gemeinden betrachte, so gebe es keinen besonderen Unterschied zu den jeweils angrenzenden Gemeinden, so Collin.

Die Landwirte will der Minister also keinesfalls im Regen stehen lassen. Das sieht auch das Meterologische Institut so. Es kommt zu der Feststellung, dass in allen Gemeinden der Wallonie die Niederschlagsmengen in den letzten elf Monaten außergewöhnlich niedrig war, mit Ausnahme von zwei Gemeinden, die allerdings knapp über dem Niedrigwert der anderen Kommunen liegen. Die Werte wurden mit den Mengen der 20 vergangenen Jahre verglichen. Dem Klimatologen Christian Tricot erscheint es aber logisch, dass wenn die Schäden, die die Landwirte in diesen beiden Gemeinden beklagen, ähnlich sind wie in den anderen Kommunen, sie dafür auch für die Entschädigungen berücksichtigt werden.

Die beiden Gemeinden seien also wirklich am Limit, ein oder mehrere heftige Gewitter genügten, um die gemessene Niederschlagsmenge zu beeinflussen. Die Landwirte werden ihre Akten einreichen. Es ist mehr als wahrscheinlich, dass auch die Landwirte in Raeren auf eine Entschädigung hoffen können. Wann das Geld dann fließt, steht auf einem anderen Blatt geschrieben. Denn aus Erfahrung wissen sie, dass sie zunächst einmal tief in die Tasche greifen müssen, um Futter für ihre Tiere zu kaufen, sollte die Trockenheit andauern.

Chantal Delhez - Illustrationsbild: Nicolas Maeterlinck/BELGA