Télédon: Wie läuft eine Organspende ab?

Im Rahmen der wallonieweiten Kampagne Télédon wird der Frage nachgegangen, wie eine Organspende abläuft. Die Kollegen des Lokalsenders RTC Liège haben dafür das Universitätskrankenhaus Ambroise Paré in Mons besucht.

In der Intensivstation der Uniklinik Ambroise Paré in Mons haben im vergangenen Jahr vier Patienten Organe gespendet. Insgesamt 16 Organe konnten transplantiert werden, um neues Leben zu ermöglichen.

Nur in zwei Fällen ist eine Organspende erlaubt: „Wenn bei Menschen der Hirntod festgestellt wird, dann kommt kein Blut mehr ins Gehirn. Dieser Patient wird für tot erklärt. In diesem Fall kann man Organe entnehmen“, erklärt Savine Devos, Fachärztin für Intensivmedizin und Lungenheilkunde. In dem zweiten Fall geht es um das Aussetzen des Herzens. In diesen beiden Fällen stellt sich die Frage der Organspende.

Bei den hirntoten Spendern können so gut wie alle Organe und Gewebe entnommen werden. Sie stellen zurzeit auch die Mehrheit der Spender dar. Bei den herztoten Spendern können hingegen nur noch die Nieren und Gewebe entnommen werden.

„In Belgien sind wir alle potentielle Organspender, wenn man vorher nicht ausdrücklich widersprochen hat. In der Praxis läuft das nicht so einfach ab. Die Familie wird um Erlaubnis gefragt, wenn der Organspender sich nicht bei der Gemeinde hat eintragen lassen. In diesem Fall könnte sich die Familie nicht widersetzen“, so Savine Devos weiter.

Die Erklärung bei der Gemeinde vermeidet, dass die Familie in einer schwierigen Situation eine Entscheidung treffen muss. Eric Pilote und sein Pflegeteam begleiten die Familie. „Wir arbeiten eng mit den Ärzten zusammen. Die erste Aufgabe ist, die Vitalfunktionen bis zur Organspende aufrechtzuerhalten. Wir müssen uns aber auch um die Familien kümmern. Für sie ist es schlimm, einen Angehörigen zu verlieren. Die häufigste Frage ist: Leidet der Patient? Da müssen wir beruhigen. Die zweite lautet Frage: Wie läuft die Organspende ab?“, sagt Eric Pilote, leitender Pfleger der Intensivstation.

Wenn der Patient Spender wird, werden eine Reihe von Proben entnommen. Die Klinik nimmt Kontakt mit einem Koordinationszentrum auf. Auf Grundlage der Untersuchungsergebnisse wird entschieden, ob ein oder mehrere Organe entnommen werden. Von den Organen hängt ab, welches Team zum Einsatz kommt. Bei Herz oder Lunge entnimmt das Team des Empfängers die Organe. „Alles was Leber, Nieren, Pankreas betrifft – dann kommt das Zentrum, mit dem wir zusammenarbeiten. Manchmal sind wir zu drei Mannschaften, um die Organe zu entnehmen. Das muss alles koordiniert werden“, fährt Savine Devos, Fachärztin für Intensivmedizin und Lungenheilkunde, fort.

EUROTRANSPLANT entscheidet, wo die Organe hingehen. Weltweit herrscht ein Mangel an Spenderorganen. In der Uniklinik Ambroise Paré plädiert man dafür, ohne Tabus mit den Angehörigen über das Thema zu sprechen. „Die Organe werden entnommen, weil es keine Hoffnung mehr für den Patienten gibt, weil er tot ist. Man hat vorher alles getan, um dieses Leben zu retten. Das Leben wird nicht beendet, um Organe zu entnehmen“ schlussfolgert Savine Devos.

„Jemand, der einen Angehörigen verloren hat und dessen Organe einem anderen Menschen gespendet wurden, kann vielleicht leichter seine Trauer verarbeiten. In gewisser Weise bleibt ein Teil des Angehörigen am Leben. Wir informieren die Familie auch weiter über den Gesundheitszustand des Organempfängers“, so Eric Pilote.

Die Identität des Empfängers wird allerdings nicht bekannt gegeben. Die Organspende ist anonym. Der Körper des verstorbenen Organspenders wird nach der Entnahme der Familie übergeben.

Michaela Brück - Bild: RTC Liège

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