„Wegweiser“: Aachener Beratungsstelle gegen Salafismus eröffnet

In Aachen hat am Dienstag eine neue Beratungsstelle gegen gewaltbereiten Salafismus ihre Arbeit aufgenommen. Sie ist Teil des nordrhein-westfälischen Präventionsprogramms "Wegweiser". Jugendliche Muslime sollen daran gehindert werden, in die Salafistenszene abzurutschen. Auch in Ostbelgien wird es künftig eine solche Anlaufstelle geben.

Grenzüberschreitende Zusammenarbeit – auch bei der Bekämpfung von Terrorismus. Und am besten schon dann, bevor es zu spät ist. Der nordrhein-westfälische Minister für Inneres und Kommunales Ralf Jäger (SPD) erklärt warum. „Weil wir uns mit lokalen Netzwerken, um diejenigen kümmern, die drohen in diese Szene abzurutschen. Ganz oft gibt es banalste Probleme: Streit in der Familie, Streit mit der Freundin oder das Gefühl ausgegrenzt zu sein. Und dann treffen die auf eine Ideologie, die ihnen alle einfachen Antworten verspricht und ‚Bei uns bist du wer'“, erklärt Jäger.

„Da müssen wir ansetzen mit lokaler Kompetenz – hier in Aachen und Belgien mit den Akteuren, die vor Ort – sowohl als Moschee-Verein oder als Jugendamt – Kompetenzen haben, um diesen jungen Menschen zu helfen“, so Jäger weiter. „Wegweiser“ berät und begleitet das soziale, berufliche und familiäre Umfeld der Jugendlichen, aber auch Institutionen und Behörden.

Anlaufstelle im Dienst Kaleido

Auch in Ostbelgien soll eine Anlaufstelle im Dienst Kaleido angesiedelt werden. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land NRW, der Stadt Aachen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft wurde jetzt unterzeichnet.

„Wir haben ein großes Interesse daran, Radikalisierungstendenzen auch in unserer ostbelgischen Gesellschaft vorzubeugen – am besten dadurch, dass man im Netzwerk und Team zusammenarbeitet, mit Jugendarbeitern, sozialen Einrichtungen, Schulen und der Expertise, die jetzt von außen kommen wird und die mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen und all dem, was da an Know How bereits aufgebaut wurde, möglich gemacht wird“, erklärt Ministerpräsident Oliver Paasch (ProDG).

„Netzwerk kann nicht an der Grenze aufhören“

In NRW gibt es bereits ein Dutzend Wegweiser-Beratungsstellen. Und auch in Aachen kennt man das Salfismusproblem. Wie in vielen Großstädten gibt es auch hier Moscheen und Vereine, in denen versucht wird, junge Menschen zu radikalisieren, weiß Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU). „Als Grenzstadt ist es so, dass man immer, wenn es um Kriminalisierung geht, zusätzliche Aufgabenstellungen damit hat, dass man auch die Struktur jenseits der Grenze beachten muss, um es zu erschweren, kriminell tätig zu werden – und das gilt genau so für Radikalisierung“, erklärt Philipp.

„Deshalb ist es uns wichtig gewesen, Ostbelgien mit in das Projekt hineinzunehmen, denn diese Prävention erfordert ein Netzwerk und das Netzwerk kann nicht an der Grenze aufhören“, so Philipp weiter.

Und auch der NRW-Innenminister weiß, dass Terrorismus und Kriminalität nicht an den Landesgrenzen halt machen. „Wir haben eine Sicherheitslage in Belgien und Deutschland, die sehr sensibel ist. Das wissen wir von den verschiedensten Anschlägen: In Brüssel und Berlin ist uns das auf schreckliche Art und Weise vor Augen geführt worden. Wir müssen jeden Tag daran arbeiten, dass wir solche Anschläge möglichst verhindern. Hundertprozentige Sicherheit kann es nicht geben, aber wir müssen dafür sorgen, dass wir uns heute um die möglichen Täter von morgen kümmern.“

Übrigens: Die Beratung bei Wegweiser ist kostenlos, persönlich und streng vertraulich.

vk/mg - Bild: BRF Fernsehen