St. Vith: Erwin Kirsch und Albert Sonkes legen Einspruch ein gegen Rathausplatzgestaltung

Eine Begegnungszone samt Wasserspiel mit dem Stadtwappen, dazu eine optische Verbindung zwischen Rathaus und Büchelturm, inklusive Hinweisen zur Geschichte: So soll der St. Vither Rathausplatz aussehen. "Überdimensioniert" und "unsinnig" finden das die beiden St. Vither Erwin Kirsch und Albert Sonkes. Sie erheben in einem offenen Schreiben Einspruch gegen die geplante Gestaltung.

Haben die Gestaltung des Rathausplatzes unter die Lupe genommen: Architekt Albert Sonkes (l.) und Designer Erwin Kirsch

Haben die Gestaltung des Rathausplatzes unter die Lupe genommen: Architekt Albert Sonkes (l.) und Designer Erwin Kirsch

„Wofür?“ fragt sich Albert Sonkes. Der Architekt im Ruhestand hat zusammen mit Erwin Kirsch, von Beruf Designer, auf 15 Seiten detailliert aufgeführt, was ihn an der geplanten Neugestaltung des Rathausplatzes grundsätzlich stört. „Es wird alles von der Hauptstraße bis zum Büchelturm weggerissen, um eine neue Landschaft zu kreieren. Das finden wir doch etwas übertrieben, weil die ganze Fläche vom Rathaus inklusive Zugang noch intakt ist“, sagt Albert Sonkes.

Nun solle aber die bisher ebene Fläche vor dem Rathaus durch eine, wie es Albert Sonkes nennt, „Schräge-Ebenen-Landschaft“ ersetzt werden – mit Nachteilen bei Eis und Schnee oder beim Aufstellen von Zelten oder Mobiliar für Veranstaltungen. Der Architekt vermisst perspektivische Darstellungen. Das hat er nun mit Erwin Kirsch nachgeholt. „Es geht uns darum die Bevölkerung aufzuklären, weil die Unterlagen, die beim Bauamt einsehbar sind, für einen Laien schwer durchschaubar sind und dadurch auch ein Desinteresse entsteht“, meint Sonkes.

Wasserspiel „total überdimensioniert“

Zentraler Kritikpunkt ist das geplante Wasserspiel mit dem Stadtwappen, das sogar im Karneval von der einen oder anderen Seite thematisiert wurde. Nach Ansichten der Kritiker ist es „total überdimensioniert“. Auf der Fläche bekäme mein ein ganzes Einfamilien-Haus gebaut. Auβerdem stehle es dem Kunstobjekt, das eine Jury im April auswählen soll die Schau, sagt Erwin Kirsch, der dieser Jury angehört, hier aber ausdrücklich nicht in deren Namen spreche.

Arbeiten am Rathausplatz in St. Vith

Ihm sind auch andere Dinge ein Dorn im Auge. „Wir appellieren an den gesunden Menschenverstand unserer Bürgermeisters, der Stadtverordnung und aller Verantwortlichen, das Projekt nochmal auf den Prüfstand zu nehmen. Es wird so viel Geld hier verschleudert und wir würden uns wünschen, dass die Verantwortlichen sich – eventuell auch mit uns – nochmal an einen Tisch setzen und fragen: Was kann man hier anders machen? Und kann man das Kunstobjekt nicht erst einmal abwarten, bevor man schaut, wie es weiter geht“, so Erwin Kirsch.

„Wegführung zum Büchelturm äußerst aufwendig“

Auch die Begegnungszone ist in der geplanten Form nicht nach dem Geschmack von Erwin Kirsch und Albert Sonkes. „Die ganze Wegführung zum Büchelturm ist äußerst aufwendig gemacht – mit in den Boden eingelassenen Texten und Autoverkehr in zwei Richtungen“, meint Sonkes. Gemeint ist vor allem der Bereich um die Zufahrt zur neuen Tiefgarage.

Hier könnten sich Fahrzeughalter und geschichtsinteressierte Flaneure in die Quere kommen, fürchtet Erwin Kirsch, dem eine Alternative vorschwebt. „Wir denken, dass man diesen historischen Pfad, den man auf dem Boden der Büchelstraße legen will, viel besser auf Tafeln unterbringen kann – zum Beispiel im Stadtpark. Wir denken, dass das viel sinnvoller wäre, als einige Geschichtsfetzen auf den Boden zu legen, die sowieso nur schwer zu erfassen sind.“

Ganz unabhängig davon sahen sich die beiden in der Pflicht, ihren Einspruch im Rahmen der vorgesehen Frist bis zum 14. März einzureichen: „Es sind ja immer Steuergelder, die dafür nötig sind und 800.000 Euro – momentan geschätzt – ist doch eine Menge Geld. Für diese Summe kann man zwei schlüsselfertige Einfamilien-Häuser kaufen“, so Sonkes.

Und Erwin Kirsch fügt noch hinzu: „Wir sind aber auch der Meinung, dass wir die Stadtverantwortlichen daran erinnern müssen, dass hier ein Projekt erfunden worden ist, das einfach gar nicht nötig ist. Es geht einfach darum, die Tiefgarage des KBC-Gebäudes mit einer Decke zu schließen. Alles andere wäre nicht notwendig gewesen. Wir wollen uns nicht dem Vorwurf unserer Kinder und Enkelkinder ausgesetzt sehen, die später durchaus einmal fragen könnten: Warum habt ihr gegen so viel blödsinn nichts unternommen?“

Text und Bilder: Stephan Pesch

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