200 Jahre Aachener Grenzvertrag: So sah es im Süden des heutigen Ostbelgien aus

Vor 200 Jahren wurde der Aachener Grenzvertrag unterzeichnet. Dieser Vertrag hat nicht nur zur Entstehung von Neutral-Moresnet geführt. Er hatte auch Auswirkungen auf den Süden der heutigen Deutschsprachigen Gemeinschaft.

Zwischen Maldingen und Commanster verlief einst die Staatsgrenze. Heute erinnern an sie nur noch steinere Zeugen, die Grenzsteine. Der Grenzstein Nummer 89 ist noch original erhalten und markiert die damalige niederländisch-preuβische Grenze. Klaus-Dieter Klauser vom Geschichtsverein ‚Zwischen Venn und Schneifel‘ kennt sich aus: „Heute markiert sie die Provinzgrenze zwischen Luxemburg und Lüttich, aber damals war es eine Staatsgrenze, die im Zuge des Wiener Kongresses entstanden ist, als man Europa quasi neu organisiert hat. Und so ist das Königreich der Vereinigten Niederlande entstanden, quasi als Pufferstaat zwischen Frankreich und Deutschland.”

In 17 Artikeln regelte der Aachener Vertrag den Grenzverlauf. Ausgehend vom weit über die Grenzen bekannten Schengen bis ins niederländische Mook an der Maas, bei Nimwegen. Demnach folgte die Grenze zunächst den Wasserläufen Mosel, Sauer und Our, bis diese bei Ouren auf den Ribbach trifft.

„Ouren gehörte zum Kanton St. Vith und dann ist man dieser Kantonsgrenze nachgegangen, bis man auf den alten Luxemburger Verkehrsweg traf. Das ist ein alter Verkehrsweg, der schon im 16. und 17. Jahrhundert befahren wurde zwischen Luxemburg und Stavelot“, erklärt Klauser. Wenn man sich das heute auch nur noch schwer vorstellen kann, war es seinerzeit eine Hauptverkehrsstraße. Dort hat man dann Grenzsteine aufgestellt.

Dadurch verfestigte sich auch die Sprachengrenze: Man sprach vom ‚Quartier français‘ und vom ‚Quartier allemand‘. „Aber man muss dazu sagen: Die Dörfer hier an der Grenze wie Beho, Deiffelt das waren deutschsprachige Ortschaften, obschon sie jetzt nicht zu Preußen gekommen sind“ erzählt Klauser.

Es gab auch hier ein sogenanntes Niemandsland. „Die Preuβen sagten: Wir setzen hier einen Grenzstein, zwei Kilometer weiter einen und machen eine gerade Linie. Und zwischen diesen beiden Grenzlinien gab es dieses Niemandsland”, weiß Klaus-Dieter Klauser. Es gab dort zwar keinen Bodenschätze wie in Neutral-Moresnet, aber es gab Menschen, die sich auf diesem Niemandsland niederließen, und die mussten dann keine Steuern zahlen. Heute ist das anders, das Gebiet gehört jetzt zur Gemeinde Burg Reuland.

Grenzsteine – ein interessantes Thema mit vielen kuriosen Geschichten. Vor gut einem Jahr haben sich auch Schülerinnen des Maria-Goretti-Institutes in St. Vith mit dem Thema befasst. Im Rahmen eines Comenius-Projektes haben sie mehrere Rundwanderwege entlang dieser alten Grenze erarbeitet.

Text und Bilder: Stephan Pesch/BRF

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