Städtepartnerschaft: Löwen und Neu-Löwen versöhnen sich

1968 kam es zu einer der wenigen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Flamen und Wallonen, als aufgebrachte flämische Studenten ihre französischsprachigen Kommilitonen aus der Uni-Stadt Löwen vertrieben haben. Knapp 50 Jahre später gehen Löwen und Neu-Löwen jetzt eine Städtepartnerschaft ein.

Universität von Leuven

Das altehrwürdige Löwen hat viele Partnerstädte – in Frankreich, Deutschland, Polen, Südafrika und sogar Taiwan. Doch mit dem knapp 30 Kilometer entfernten Neu-Löwen waren die Beziehung historisch bedingt eher kühl. Doch das soll sich dank der neuen Partnerschaft jetzt ändern, verspricht Löwens Bürgermeister Louis Tobback. „Die beiden Unis in Löwen und Neu-Löwen arbeiten seit Jahren immer enger zusammen, da wollen wir Städte doch nicht hinterherhinken“, sagt Tobback.

Jetzt soll es regelmäßig Austausche zwischen den Schulen beider Kommunen geben, im Kunst- und Kulturbereich sowie bei sportlichen Veranstaltungen. Die Einwohner von Löwen und Neu-Löwen sollen sich näher kommen. Zustimmung bei den Studenten. „Wir können so etwas reparieren, was damals in die Brüche gegangen ist“, sagt ein Student. Seine Hoffnung: Mehr Zusammenarbeit zwischen Flamen und Wallonen.

15 Jahre sind zwischen der Ursprungsidee der Städtepartnerschaft und der Unterzeichnung der Vereinbarung vergangen. Eine Stadträtin von Ottignies-Louvain-La-Neuve hat sogar gegen das Bündnis mit Löwen gestimmt. Zu präsent seien die schmerzhaften Erinnerungen noch.

Rückblick: Kurze Zeit nach der Festlegung der Sprachgrenzen nehmen die Spannungen in Löwen zu. Die Katholische Universität – eine der ältesten in Europa – platzt aus allen Nähten. Unterrichtet werden in der Altstadt von Löwen sowohl Französischsprachige als auch Flamen. Die machen die Wallonen dafür verantwortlich, dass die Uni aus allen Nähten platzt. Und würden sie am liebsten aus der flämischen Stadt verjagen.

Doch die belgischen Bischöfe sind gegen die Spaltung der Katholischen Universität Löwen. Es folgen regelrechte Straßenschlachten. „Leuven Vlaams“. „Walen buiten“. Wir schreiben das Jahr 1968.

„Auf den Plakaten der Flamen stand damals nicht nur ‚Wallonen raus‘, sondern auch ‚Ratten raus‘ aus Löwen“, sagt Philippe Ronneau, der als Student bei den Protesten verletzt wurde.

Ende der 1960er Jahre wird die Universität geteilt: Die Flamen bleiben an historischer Stätte in Löwen, die Französischsprachigen stampfen eine neue Uni-Stadt aus dem Boden, das heutige Louvain-La-Neuve. Fast 50 Jahre später reichen sich beide Löwen jetzt die Hand.

Eine längst überfällige Geste, meint Jean-Luc Roland – Bürgermeister von Neu-Löwen.

 

Alain Kniebs - Bild: Siksa Gremmelrpez (belga)

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