Abdeslam-Verhör bringt Details zu Pariser Attentaten ans Licht

Nach der Vernehmung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam treten neue Details zum mutmaßlichen Ablauf der Pariser November-Anschläge zutage.

Illustrationsbild: Hauptquartier der föderalen Polizei in Brüssel

Illustrationsbild: Hauptquartier der föderalen Polizei in Brüssel

Ermittlern zufolge war der Islamist als Fahrer und Mitattentäter eines Selbstmordkommandos am Stade de France. Er machte dann aber einen Rückzieher und entledigte sich seines Sprengstoffgürtels. Das Motiv dafür ist unklar.

Die Ermittler gehen inzwischen zweifelsfrei davon aus, dass der zehn Tage nach den Pariser Anschlägen in einem Mülleimer gefundene Sprengstoffgürtel von Abdeslam abgelegt wurde. Das sagte der französische Staatsanwalt François Molins am Samstagabend in Paris. Nahe Montrouge war am Abend der Anschläge das Mobiltelefon von Abdeslam geortet worden. Laut Molins hatte Abdeslam das Killerkommando zum Stade de France gefahren.

Dort sollte es während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland ein Massaker anrichten. Auch Abdeslam selbst habe sich im Stadion in die Luft sprengen wollen, sich dann aber doch anders entschieden.

Die Version, dass Abdeslam sich mit einem Selbstmordkommando am Stade de France in die Luft sprengen sollte und anschließend einen Rückzieher machte, steht im Widerspruch zu anderen Aussagen. Diese stammen von den Männern, die den Terrorverdächtigen nach den Anschlägen von Paris nach Belgien zurückgebracht haben.

So soll Abdeslam ihnen erklärt haben, Menschen mit der Kalaschnikow umgebracht zu haben. Dies würde die These bekräftigen, dass Abdeslam nicht im Fußball-Stadion aktiv war, sondern zu der Gruppe gehörte, die Menschen an Restaurant-Terrassen erschossen haben. Erst eine Gegenüberstellung soll Klarheit schaffen. Der französische Staatsanwalt François Molins hatte am Samstag in Paris erklärt, es seien noch viele Fragen offen.

Abdeslam war am Freitagnachmittag in Molenbeek mit Amine Choukri festgenommen worden. Seit Samstag befindet er sich in einem Hochsicherheitstrakt der Haftanstalt von Brügge. Abdeslam widersetzt sich einer Auslieferung an Frankreich. Dennoch wird mit seiner Überstellung an Frankreich in einer Zeitspanne von maximal drei Monaten gerechnet.

Am Mittwoch wird er der Ratskammer vorgeführt. Diese soll über die Verlängerung des Haftbefehls gegen ihn entscheiden.

Abdeslams Anwalt will gegen Pariser Staatsanwalt klagen

Sven Mary, der Anwalt von Salah Abdeslam, hat unterdessen angekündigt, er werde am Montag gegen den Pariser Staatsanwalt François Molins Klage einreichen.

Wie mehrere Zeitungen berichten, wirft der Anwalt dem Staatsanwalt vor, gegen das Untersuchungsgeheimnis verstoßen zu haben. Der Vorwurf bezieht sich auf die Aussage Molins, Abdeslam habe den belgischen Fahndern bestätigt, er sei bei den Attentaten von Paris vor Ort gewesen und habe vor gehabt, sich in die Luft zu sprengen. Danach habe er einen Rückzieher gemacht.

Dem Anwalt zufolge verstößt die Veröffentlichung dieser Informationen gegen das Untersuchungsgeheimnis.

dpa/belga/cd - Aure Belot/BELGA

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