Thalys-Attentäter wohnte in Brüssel

Jeder Tag bringt neue Erkenntnisse: Nach dem vereitelten Terroranschlag auf den Thalys Amsterdam-Brüssel-Paris vom vergangenen Freitag laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Und das nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien.

Ayoub el-Khazzani (undatiertes Bild aus den sozialen Medien)

Ayoub el-Khazzani (undatiertes Bild aus den sozialen Medien)

Ayoub El-Khazzani war in Molenbeek anscheinend alles nur kein Unbekannter. Regelmäßig habe er bei seiner Schwester übernachtet. Laut einem Bericht der Zeitung Het Nieuwsblad habe der Thalys-Attentäter gar „monatelang“ in Molenbeek gewohnt. Besagte Wohnung war schon am Montag von der Polizei durchsucht worden. Dabei stieß man offenbar auf eindeutige Beweise dafür, dass der Thalys-Schütze tatsächlich dort war. Das bestätigte auch der zuständige Pariser Staatsanwalt François Molins.

Die Brüsseler Polizei hatte in Molenbeek-Saint-Jean eine Hausdurchsuchung in der Wohnung der Schwester durchgeführt. Weil die zu diesem Zeitpunkt nicht anwesend war, wurden kurzerhand die Schlösser an der Eingangstüre ausgetauscht, mit dem Hinweis, die Frau könne ihre neuen Schlüssel bei der Polizei abholen. Wenig später wurde sie dann tatsächlich im Kommissariat vorstellig. Die Frau wurde verhört, im Anschluss aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Fakt ist jedenfalls, dass Ayoub El-Khazzani vor seinem Anschlagsversuch im Thalys nach Paris am vergangenen Freitag in Molenbeek übernachtet hatte. Er muss dann auch mit seinem Waffenarsenal quer durch Brüssel gelaufen sein, wie die Zeitung La Dernière Heure am Mittwoch schreibt.

In Paris sitzt der Attentäter Ayoub El-Khazzani inzwischen in Untersuchungs-Haft. Die Pariser Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angreifer im Thalys-Hochgeschwindigkeitszug ein terroristisches Motiv hatte. Sie leitete ein Verfahren wegen mehrfachen Mordversuchs in Zusammenhang mit Terrorismus gegen den 25-jährigen Marokkaner ein. Ayoub El Khazzani selbst bleibt indes bei seiner Version: Er sei durch einen Brüsseler Park geschlendert und habe dort die Tasche mit den Waffen gefunden. Er habe dann den Plan gefasst, die Fahrgäste im Thalys auszurauben. Danach wollte er dann eine Scheibe einschlagen und flüchten. Das sei nicht mehr als ein Ammenmärchen, sagte der Pariser Prokurator François Molins. Der Mann hatte am Freitag in dem Zug das Feuer eröffnen wollen. Vor der Tat schaute er in der Zugtoilette ein Video an, das im Namen eines radikalen Islam zu Gewalt aufrief.

La Dernière Heure glaubt demgegenüber, die Wahrheit zu kennen. Das Blatt beruft sich auf einen anonymen Informanten. Demnach war es so: Ayoub El Khazzani war in der Wohnung seiner Schwester; und er ist am Freitag dann auch von dort aus zum Bahnhof gegangen, mit seinem Waffenarsenal im Gepäck. Und das umfasste quasi das ganze Programm: ein Schnellfeuergewehr vom Typ AKM, 270 Schuss Munition, eine Handfeuerwaffe, ein Messer und sogar einen Behälter mit Benzin. Sein Ziel sei es wohl eindeutig gewesen, so viele Menschen wie möglich zu verletzen oder zu töten. Ayoub El Khazzani wollte ein Blutbad anrichten.

EU-Minister sprechen am Samstag über Zugsicherheit

Nach der Attacke in einem Thalys-Zug sprechen die EU-Verkehrs- und Innenminister am Samstag in Paris über die Sicherheitsvorkehrungen im Bahnverkehr. Dies kündigte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve am Mittwoch an. Es gehe um die Frage, ob Reisende systematischer und koordiniert kontrolliert werden können.

Zur Diskussion steht demnach beispielsweise, die Kontrolle der Papiere von Reisenden vorzuschreiben. Auch über zufällige Gepäckkontrollen und multinationale Polizeiteams für Züge solle gesprochen werden. Konkrete Vorschläge müssten aber noch ausgearbeitet werden.

dpa/cd/rop - Archivbild: afp