Polit-Posse: Gartenzwerge als politisches Symbol

Die N-VA will Gartenzwerge eines Künstler als Zeichen für Fortschritt und Veränderungen im Wahlkampf nutzen. Die sp.a hält dagegen und setzt auf einen Zwerg mit Stinkefinger. Dem Künstler selbst gefällt nur die Initiative der sp.a.

Der deutsche Künstler Ottmar Hörl ist bekannt für ein etwas eigensinniges Kunst-Projekt. Hörl stellt oft etwa kniehohe Figuren her, von denen er gleich mehrere hunderte in verschieden Farben produziert. In Ausstellungen, gerne unter freiem Himmel, sind dann zum Beispiel hunderte von Kaninchen hinter- und nebeneinander auf einem Platz aufgestellt, oder Hunde, oder Gartenzwerge.

Diese Gartenzwerge von Hörl, beziehungsweise zwei Modelle von ihnen, sorgen zurzeit in Flandern für einiges Aufsehen. Denn plötzlich sind sie dort zum Symbol politischer Ideen geworden.

Es war am vergangenen Wochenende, als kein geringerer als der umstrittene Chef der flämischen Nationalisten von der N-VA, nämlich Bart De Wever, einen Hörl-Gartenzwerg unvermutet in der Hand hielt. Am Rednerpult, für alle deutlich sichtbar. Der Gartenzwerg in knall gelber Farbe hing brav in De Wevers linker Hand, hielt tapfer den rechten Arm erhoben, Zeige- und Mittelfinger in gespreizter Position. Man kennt das Zeichen: V wie Victory, Sieg auf deutsch. Der Zwerg sei ein Zeichen für „Fortschritt“ und „Veränderung“ und solle als Maskottchen der N-VA für die Wahlen am 25. Mai gelten, so De Wever.

De Wevers Parteigenossen waren und sind immer noch begeistert. Wie mehrere flämische Zeitungen berichten, ist ein wahrer Run auf den Hörl-Zwerg mit Victory Zeichen entstanden. Die Zwerge gibt es ja in zigfacher Zahl, unter anderem im Internet kann man sie kaufen.

sp.a setzt auf Zwerge mit Stinkefinger

Populär sind die Hörl-Kunstgegenstände jetzt auch beim politischen Gegner der N-VA, nämlich bei den flämischen Sozialisten. Am Dienstagabend sei es gewesen, so erzählt es sp.a-Chef Bruno Tobback, als er plötzlich einen solchen Hörl-Zwerg auf seinem Schreibtisch gefunden hätte. Ein Freund habe den Zwerg dort hingestellt. Nicht gelb, sondern knall rot ist er. Auch er hat den rechten Arm erhoben, doch kein Victory-Zeichen formen die Finder: Lediglich der Mittelfinger steht still und alleine in der Luft.

Das sei ein Gartenzwerg gegen den Konföderalismus, sagt Tobback. Also gegen die Politik der Separatisten von der N-VA. Den Gartenzwerg mit Stinkefinger will Tobback jetzt auf seine Wahlkampftermine mitnehmen.

Der Künstler Ottmar Hörl ist übrigens nicht sehr glücklich mit der plötzlichen Popularität seiner Figuren. Der Gartenzwerg mit Victory-Zeichen verweise nicht auf Fortschritt und Veränderung, sondern auf Frieden, persönliche Selbstüberwindung, auf Glück. Er könne nicht akzeptieren, dass seine Figur missbraucht werde in einem Streit um politische Unabhängigkeit.
Ganz passend findet Hörl allerdings die Antwort der Sozialisten. Dem Missbrauch einfach den Stinkefinger zeigen, das gefällt dem Künstler.

Bild: Nicolas Maeterlinck (belga)

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