Die Cyberattacke erfolgte in der Nacht von Sonntag auf Montag. Infolgedessen haben sich viele Lebensmittel zu stark erwärmt und können nicht mehr verkauft werden. Von den Hackerangriffen waren die Supermarktketten Delhaize, Carrefour, Intermarché und Spar betroffen. Der Angriff hat aber auch Dutzende Läden in anderen europäischen Ländern erwischt: Irland, Schweden, die Niederlande, Luxemburg, Estland und Finnland. Auch dort gab es Angriffe.
Oft muss wohl der Supermarkt selbst für den Schaden aufkommen. Das sind vielfach kleine Selbstständige, die im Franchise-System einen Markt betreiben. Sie bleiben auf den Kosten sitzen und nicht unbedingt die großen Konzerne, die hinter der Supermarktkette stecken. Eine Versicherung gegen Hackerangriffe gibt es zwar, einige Betreiber haben sie auch, aber sie ist kein Standardprodukt. Und so sind viele der Betreiber auch wütend auf die Hacker. Es gab keine Geldforderungen, es ging den Angreifern wohl nur um Chaos und Zerstörung.
Die Kühlsysteme sind ans Internet angeschlossen. Damit kann man sie aus der Ferne warten. Und die Systeme können darüber auch Alarm auslösen, wenn etwas nicht stimmt. Die Hacker haben diesen Zugriff genutzt, um die Kühlsysteme in den Auftaumodus zu setzen. Sie haben also nicht mehr gekühlt, sondern regelrecht aufgewärmt. Da musste man schnell handeln.
Die ersten Alarme gingen in der Nacht zu Montag gegen ein Uhr bei Sabcobel ein. Das ist das Unternehmen, das Hunderte von Kühlanlagen hierzulande verwaltet. Techniker wurden losgeschickt, um vor Ort das Problem zu beheben. Allerdings konnten sie auch nicht überall gleichzeitig sein.
Um drei Uhr in der Nacht wurden auch die Filialleiter aus dem Schlaf gerissen, weil die hauseigenen Alarmsysteme steigende Temperaturen gemeldet haben. Sie mussten dann schnell in den Laden gehen und vor Ort den Kühlmodus wieder einschalten. Wie ein Betreiber sagte, machen da mitunter zehn Minuten den Unterschied zwischen Lebensmittel retten und nur noch wegwerfen können.
Vor allem galt es auch, das System vom Internet trennen, damit sich der Angriff nicht wiederholt. Einige Supermarktbetreiber waren auch so klug und haben das im Vorfeld gemacht. Es hatte erst vor drei Wochen einen gleichen Hackerangriff in Frankreich gegeben. Der war für sie Warnung genug. Die haben Ihre Systeme vom Netz genommen und waren dann auch nicht betroffen.
Ein IT-Experte sagte der Nachrichtenagentur Belga, dass er nicht überrascht sei. Betroffen ist die Software des dänischen Herstellers Danfoss. Dessen überalterte Software war auch schon das Einfallstor bei dem Hackerangriff in Frankreich.
Ein anderer Experte stimmt dem in der Zeitung HLN zu: Man müsse kein Genie sein, um Danfoss zu hacken. Die Firma hatte zwar nach dem Hack in Frankreich ein Update angeboten, aber es hatte noch nicht jeder installiert. Dieser Fall zeigt wieder, dass man eben sehr schnell reagieren muss, wenn solche IT-Sicherheitslücken bekannt werden.
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