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Schülersprecher verteidigt Proteste im frankophonen Schulwesen

06.10.202611:29
  • Französische Gemeinschaft
Schülerproteste in Lüttich
Schülerproteste in Lüttich am 1. Oktober (Bild: John Thys/AFP)

Im frankophonen Schulwesen rumort es gewaltig. Schon vor den Sommerferien gab es an vielen Schulen Streikaktionen gegen eine Reform, die Bildungsminister Valéry Glatigny von der MR umsetzen möchte. Gestreikt hatten damals die Lehrer. Neu seit vergangener Woche ist jetzt, dass auch Schüler streiken.

Schüler protestieren in Frankreich, Schüler protestieren in Belgien. Aber nur im frankophonen Schulwesen. Frankreich und die Französische Gemeinschaft in Belgien haben unterschiedliche Schulsysteme und unterschiedliche Probleme. Trotzdem protestieren Schüler beider Systeme gerade gegen Missstände. Zufall? Oder gibt es doch Gemeinsamkeiten bei den Protesten der französischen und belgischen Schüler?

"Ja", sagt Guillaume Goossens vom Komitee der frankophonen Schüler, CEF, am Dienstagvormittag im Radio der RTBF, und führt aus: "Wir wollen beide besser repräsentiert sein, wir wollen beide, dass man uns mehr zuhört und dass es mehr Möglichkeiten gibt, unsere Forderungen zu Gehör zu bringen. Bei uns kommt allerdings noch die Reform der Ministerin hinzu, die immer noch nicht auf unsere Forderungen reagiert. Das sorgt für viel Frust."

Der Protest in Frankreich mag für die Schüler in Belgien als eine Art letzter Anstoß gewirkt haben, um auch ihren Frust über die Reform der Bildungsministerin Glatigny herauszulassen. Mit der Ministerin würde CEF zwar durchaus sprechen. "Aber wir haben den Eindruck, nicht ernst genommen zu werden", beklagt Goossens. Denn immer, wenn Mitglieder von CEF mit der Ministerin sprechen würden, bleibe Glatigny viel zu vage, oberflächlich und weiche schnell vom Thema ab."

Konkret hören sich die Forderungen der Schüler zunächst ähnlich an, wie die ihrer Kollegen in Frankreich. "Wir fordern bessere Gebäude, besser Lernbedingungen, besser angepasste Uhrzeiten", sagt Schülersprecher Goossens. "Aber auch Lehrer, die wirklich anwesend sind und Zeit für uns haben, um zum Beispiel Aktivitäten mit uns zu machen oder kulturelle Angebote anzubieten für die Schüler, die sonst keinen Zugang dazu haben."

Vor allem aber fordern die Schüler laut ihres Verbandes, nach ihrer Meinung gefragt zu werden, sich ausdrücken zu können und dann auch gehört zu werden. Diese Forderung taucht immer wieder auf im Diskurs von Schülersprecher Goossens, auch bei dem, was er zur Gewalt sagt, die jetzt bei Schülerprotesten in Belgien zu beobachten ist. "Wir bedauern diese Gewalt", sagt Goossens. "Aber wenn es in den Schulen Möglichkeiten geben würde, sich auszudrücken und gehört zu werden, dann wäre es sicher nicht so weit gekommen."

Viele der Krawallmacher seien allerdings auch gar keine Schüler, sondern Erwachsene, die mit den Schülern und ihren Forderungen nichts gemein hätten. Das sei in Belgien jetzt genauso, wie auch schon in Frankreich.

Was passieren müsste, damit die Proteste aufhören? Goossens sagt: "Es müssen Strukturen geschaffen werden, damit wir als Schüler wirklich gehört werden, und wir brauchen eine Reaktion der Ministerin, um uns wirklich eine Zukunft zu bieten. Wir möchten eine Zukunft haben."

Kay Wagner

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