Es gibt immer mehr Krisen und Bedrohungen in der Welt, warnt der föderale Innenminister Bernard Quintin zur Lancierung der neuen Broschüre. Er ist auch für die Sicherheit im Land zuständig. Und da müssen wir noch nicht mal an Bedrohungen durch fremde Mächte oder Ähnliches denken, hebt Yves Stevens, Sprecher des Nationalen Krisenzentrums, gegenüber der VRT hervor. Die größte beziehungsweise häufigste Bedrohung in Belgien seien nach wie vor Brände und Überschwemmungen. In diesem Sommer habe man ja auch wieder erlebt, dass solche Notsituationen immer und überall auftreten könnten, siehe Großbrand im Hohen Venn.
Dennoch müsse man ein Gleichgewicht finden, betont Quintin: Einerseits dürfe man nicht in Panik verfallen, andererseits sei Naivität auch keine gute Idee. Deshalb hat er die sogenannte "Resilienz" zur Priorität gemacht, also die Fähigkeit, Krisen zu widerstehen. Und zwar nicht nur für den Staat, sondern auch für jeden einzelnen Bürger. Die Botschaft sei dabei einfach und klar: Bessere Vorbereitung bedeute besseren Schutz.
Eine gute Vorbereitung auf potenzielle Notsituationen könne viel Schaden verhindern, appelliert auch Stevens. Deswegen bereiteten sich Behörden und Hilfskräfte ja auch auf Krisen vor. Aber das könnten eben auch die Bürger tun. Und zwar mit kleinen Gesten und Reflexen und entsprechender individueller Vorbereitung.
Konkrete Tipps
Klingt vielleicht erstmal abstrakt. Und sicher nicht alle hatten bisher die Lust oder Zeit, sich intensiver oder überhaupt mit dem Thema Krisenvorbereitung auseinanderzusetzen. Hier kommt eben die neue, 28-seitige Broschüre ins Spiel. Es handele sich um eine sehr praktisch angelegte Broschüre mit konkreten Tipps, unterstreicht der Sprecher des Nationalen Krisenzentrums. Tipps, die vor, während und nach einer Krisensituation wirklich einen Unterschied machen könnten.
Dazu gehören zum Beispiel Informationen, was unbedingt in ein Notfallpaket gehört beziehungsweise einen Notfall-Rucksack. Weil auch wenn Notfallpakete eine Weile lang ein doch recht prominentes Thema waren, scheint das schnell wieder verflogen zu sein. Nach einem anfänglichen Run auf schon vorgepackte, also kommerzielle Notfallpakete ebbte das Interesse laut verschiedenen Anbietern schnell wieder ab. Und auch zum Beispiel Apotheken und Verkäufer von Rettungsdecken oder batteriebetriebenen Radios vermelden keine höhere Nachfrage als üblich. Anders gesagt: Viele Menschen in Belgien dürften noch kein Notfallpaket geschnürt haben. Entsprechende Informationen zu wiederholen, das kann also ganz sicher nicht schaden. Und entsprechend widmet die neue Broschüre dem ein eigenes Kapitel.
So wie übrigens auch einer anderen wichtigen Frage, nämlich der, wo man bei Bedarf verlässliche Informationen finden kann über diverse Risiken und welchen offiziellen Kanälen man bei Gefahrensituationen folgen sollte. In diesem Kontext wird zum Beispiel auch einmal mehr daran erinnert, sich für BE-Alert zu registrieren, das Warnsystem der Behörden.
Aber wie verhält man sich eigentlich richtig, wenn dann plötzlich so eine Behördenwarnung kommt, zum Beispiel eine Aufforderung zur Evakuierung oder Schutz zu suchen? Die Broschüre hat die Antworten darauf. Und sie hilft auch beim Erstellen eines Notfallplans für sich selbst und seine Familie. Die Broschüre könne sich also wirklich für alle Arten von Notsituationen als nützlich erweisen, so Stevens.
Die Broschüre "Gemeinsam vorbereitet" findet ihr auch auf Deutsch zum Herunterladen im PDF-Format auf der Webseite des Nationalen Krisenzentrums.
Boris Schmidt