Dass Volker Quante sich mit Bier auskennt, kann man mit Fug und Recht behaupten. Der 64-Jährige mit Wohnort Wunstorf in der Nähe von Hannover ist ausgebildeter Biersommelier, hat mehrere Bücher über Biere geschrieben, unterhält einen vielbeachteten Bier-Blog im Internet, veranstaltet selbst Bierverkostungen und hat zahlreiche Länder bereist, um die dortigen Bierlandschaften zu erkunden und zu erproben.
Auf den Geschmack der belgischen Biere ist er dabei vor vielen Jahren bei einer seiner beruflichen Reisen gestoßen. Als Offizier der Bundeswehr wurde Quante von seinem Arbeitgeber zu Treffen der Nato in Mons und Brüssel geschickt. Abends gab es manchmal Freizeit.
"Und wenn man dann neugierig in das nächstbeste Café geht und sich dann ein Bier bestellt, und einen der Ober dann mit großen, runden Augen anschaut: 'Ein Bier? So eine Bestellung hatte ich hier schon lange nicht mehr. Du musst mir schon sagen, welches von meinen 20 verschiedenen Fassbieren oder von meinen 200 Flaschenbieren', dann öffnet das einem als Otto-Normalbiertrinker tatsächlich die Augen."
So beschreibt Quante im Gespräch mit dem BRF seine erste Begegnung mit dem Besonderen, das die belgische Bierkultur im Vergleich zur deutschen oder auch anderen Bierkulturen ausmacht. Dem Duvel, das er damals zum Einstieg getrunken hatte, folgten tausende weitere Biere, so dass der Emons-Verlag aus Köln Quante jetzt darum gebeten hat, in der Reihe "111 Orte" des Verlags ein Buch über die 111 belgischen Biere zu verfassen, die man "getrunken haben muss", wie es im Titel heißt.
"Mir wäre es wesentlich lieber gewesen, das Buch hätte 222 oder 333 Biere aus Belgien geheißen", sagt Quante zu der Qual der Wahl, die es für ihn bedeutet hat, sich für das Buch auf "nur" 111 Biere zu beschränken, die er den Lesern zum Probieren empfehlen durfte. Doch weil es eben diese Auflage gab, beruht die Auswahl im Kern auf dem subjektiven Eindruck, den das ein oder andere Bier beim Sommelier hinterlassen hat.
"Ich bin erst mal nach meinen ganz persönlichen Vorlieben gegangen, habe erst mal die Biere aufgelistet, die mir besonders gut im Gedächtnis geblieben waren, als ich sie getrunken habe. Habe die zusammengestellt, und dann kamen schon mal 70 bis 80 zusammen, die unbedingt in das Buch rein mussten."
Das Champagnerbier "Deus Brut des Flandres", Trappistenbiere, verschiedene Lambics, Krieks und Gueuzes gehörten zu dieser ersten Auswahl genauso dazu wie Biere aus vor allem kleinen und unabhängigen Brauereien wie auch der Peak-Brauerei und der Brauerei Néau, beide aus Ostbelgien.
"Dann habe ich mir überlegt: Mensch, du kannst die großen Brauereien auch nicht weglassen, auch wenn du natürlich ein Fan der kleinen lokalen Bierkultur bist. Und dann hat es sich am Ende einfach so geschüttelt, dass ich jetzt zumindest versucht habe, den Proporz der verschiedenen Regionen und auch große und kleine Brauereien darin unterzubringen."
Deshalb ist neben einem "Nighty Knight" aus Antwerpen, dem "Champ Weisse" aus Sijsele und der "Stille Nacht Reserva" aus Esen auch das vermeintliche Allerweltsbier Stella Artois in dem Buch zu finden.
Jedem Bier wird dabei eine Seite Text gewidmet. Darin erzählt Quante entweder die Geschichte des Bieres, dekliniert seinen Geschmack durch oder berichtet in einem locker-unterhaltsamen Stil über wissenswerte Details rund um Braukunst und die Besonderheit gerade dieses einen Bieres.
Daneben ist immer ein ganzseitiges Foto des besprochenen Bieres abgedruckt, und neben Name, Alkoholgehalt und Adresse der Brauerei gibt es immer auch noch einen Tipp, was man im Umfeld der Brauerei sonst noch als neugieriger Bier- und Belgien-Tourist erleben kann - wodurch das Buch zu einem vergnüglichen Reiseführer nicht nur durch die Bierkultur von Belgien, sondern auch durch das Land selbst wird.
Ein Buch also für Jedermann? "Also ich mache mir nichts vor: Die Hauptklientel, das werden die sein, die die belgische Bierkultur schon kennen und lieben und schätzen gelernt haben. Aber ich habe es trotzdem so versucht zu formulieren, dass ich auch den "Otto-Normalbiertrinker", wie ich ihn so nenne, also den klassischen Lager- und Pilsbiertrinker, an die Hand nehmen und abholen kann."
Um diesem dann zu zeigen, wie reichhaltig, vielseitig und sogar innovativ belgisches Bier sein kann. Das, danach gefragt, Bier-Experte Quante nach ein bisschen Bedenkzeit wie folgt definiert: "Das belgische Bier kennt keine Grenzen. Es kennt keine Auflagen, es kennt keine Denkverbote. Es experimentiert, es fühlt sich frei. Es sucht immer wieder neue Geschmäcker, neue Aromen, neue Flavours und sprengt auch immer wieder seine eigenen Grenzen."
Buchdetails
Volker R. Quante
111 belgische Biere, die man getrunken haben muss
240 Seiten
Emons Verlag
Preis: 18,95 Euro
Kay Wagner