Der Verband Transport & Environment (Verkehr & Umwelt) mit Sitz in Brüssel setzt sich seit 35 Jahren für umweltfreundlichen Verkehr ein, betreibt umfangreiche Lobbyarbeit bei den EU-Einrichtungen, seit ein paar Jahren aber auch über nationale Büros in sechs europäischen Ländern.
Der Belgier William Todts ist Geschäftsführer von Transport & Environment und war am Freitag zu Gast bei der VRT. Im Zentrum stand die Frage: Was ist zu tun angesichts der überaus hohen Preise für Diesel an den Tankstellen?
"Das Problem von Europa ist, dass wir strukturell mehr Diesel brauchen, als wir selbst produzieren", ordnet Todts ein. Diesel wird in Europa nicht nur für Autos gebraucht, sondern ebenfalls massiv in der Industrie. Weltweit gibt es zurzeit wenig Diesel, und Experten gehen davon aus, dass diese Mangelsituation auch noch weit bis ins kommende Jahr andauern wird. Mindestens.
Was also tun angesichts der hohen Preise an der Tankstelle, die, so sieht es aus, nicht so schnell verschwinden werden? Für Todts ist klar: Akzisen zu senken würde zwar eine Erleichterung bringen, die öffentliche Hand aber viel Geld kosten und vor allem das Problem nicht strukturell lösen. Denn der Diesel-Mangel würde ja bleiben.
Außerdem weist Todts darauf hin, dass die hohen Dieselpreise für Autofahrer ja nicht das Problem von allen sind. "Das ist ein sehr großes Problem für eine kleine Gruppe von Menschen", sagt er, "und die müssen unterstützt werden. Wenn man die Akzisen senkt, dann profitieren alle davon, und das kostet Geld, das Belgien nicht hat. Zugleich setzt man Anreize, weiter mit Dieselautos zu fahren."
Die beste strukturelle Lösung für das Problem der hohen Dieselpreise sei es, gar nicht mehr auf diese Preise angewiesen zu sein und die Dieselautos so schnell wie möglich aus dem Verkehr zu ziehen.
Klar: Auch das werde den Staat Geld kosten. Denn man könne nicht erwarten, dass die Menschen sich freiwillig von jetzt auf gleich von ihren Dieselautos trennen. Da müsse der Staat schon helfen, aber eben gezielt. Zum Beispiel durch Abwrackprämien oder Anreize, um auf ein Elektroauto umsteigen zu können, bei denen sich preislich in den vergangenen Jahren einiges zugunsten der Käufer getan habe.
"Vor ein paar Jahren", sagt Todts, "hatten wir bei E-Autos Durchschnittspreise von über 40.000 Euro. Mittlerweile gibt es neueste Modelle für unter 30.000 und sogar unter 20.000 Euro. Deshalb fänden wir es gut, eine begrenzte Anzahl von Menschen zu unterstützen, die es wirklich nötig haben, damit möglichst viele Menschen den Umstieg auf ein Elektroauto schaffen können."
Dass viele Menschen von sich aus diesen Umstieg jetzt schon selbst angehen, würden die Verkaufszahlen von E-Autos in Europa zeigen. Im August sei der Anteil der neu zugelassenen E-Autos auf rund 30 Prozent aller Neuwagen gestiegen, getrieben durch die hohen Preise für Diesel und auch Benzin an der Zapfsäule.
Kay Wagner