Seit der Energiekrise 2022 hat man in Europa die Gasspeicher genauestens im Blick. Die EU hat sogar verbindliche Vorgaben für die Befüllung der Gasspeicher gemacht. Demnach müssen die unterirdischen Reserven am 1. Dezember zu mindestens 80 Prozent gefüllt sein.
"Davon sind wir im Moment allerdings noch weit entfernt", sagt der Energiehändler Matthias Detremmerie in der Zeitung Het Nieuwsblad. Aktuell seien die Gasspeicher nur zu 59 Prozent gefüllt, ein Viertel weniger als üblich um diese Zeit. Und es werde sehr schwierig, doch noch den von der Kommission als Ziel ausgegebenen Stand zu erreichen, fügt der Broker hinzu.
Das Zeitfenster werde mit jedem Tag kleiner. Und es stehe zu befürchten, dass die Gasspeicher am Ende vielleicht nur zu 70 Prozent gefüllt sein könnten. Das deckt sich im Übrigen mit einer Einschätzung des Chefs des norwegischen Gaskonzerns Equinor. Der hatte schon vor einigen Wochen erklärt, dass es unwahrscheinlich sei, dass die Europäer in diesem Jahr wie geplant die 80-Prozent-Norm für ihre Gasspeicher erreichten.
Hintergrund ist der Iran-Krieg und die Lage im Persischen Golf. Seit Wochen ist die Durchfahrt von LNG-Tankern durch die Straße von Hormus massiv eingeschränkt. Die Folge sind deutlich gestiegene Preise. Deswegen halten sich die Gasversorger bislang mit weiteren Einkäufen zurück. "Das kann sich rächen. Wenn wir einen harten Winter bekommen, dann könnte es schnell zu Engpässen kommen", warnt Energiehändler Detremmerie.
Roger Pint