Jean-Pascal van Ypersele ist so etwas wie das klimapolitische Gewissen von Belgien. Seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit dem Klima und seinen Veränderungen - auch auf höchstem internationalen Niveau. Kein Wunder, dass die RTBF sich am Montagvormittag deshalb gerade an ihn gewandt hatte, um von dem Professor der Katholischen Universität Löwen Einschätzungen zur aktuellen großen Trockenheit im Land zu bekommen.
Van Ypersele erinnerte zunächst daran, dass die Natur sich im Winter eigentlich ganz gut auf die Sommermonate hatte einstellen können. Denn im Winter und im Frühjahr habe es eigentlich genug geregnet. Die Wasserreserven hatten sich gut gefüllt. Aber das habe für den ganzen Sommer dann doch nicht gereicht, weil es in der Folgezeit zu wenig Niederschlag und schon im Juni große Hitze gegeben habe, analysiert van Ypersele.
Kritisch sei die Situation aktuell allerdings noch nicht zu nennen, sagt der Klimaexperte. Aber man steuere ziemlich deutlich auf eine solche Situation zu. In den kommenden Wochen müssen wir sehr achtsam mit Wasser umgehen, fordert van Ypersele.
Was genau geschehen soll, um "achtsam mit Wasser umzugehen", wie van Ypersele es ausdrückt, will er selbst nicht präzisieren. Um zu das zu entscheiden, gebe es die verantwortlichen Stellen bei den öffentlichen Entscheidungsinstanzen. Natürlich müsse klar sein, dass Wasser für den Agrarsektor wichtiger sei als für das Autowaschen oder den Rasen in Parks oder den eigenen Garten.
Für den Garten gab van Ypersele dann auch noch einen Tipp. Denn auch hier könne man sich durchaus durch die Wahl der Bepflanzung an dauerhaft heiße Sommer anpassen. "Es gibt Pflanzenarten, die weniger Wasser benötigen und die man gut in Gärten verwenden kann", sagt der Klimaexperte.
Es sei also durchaus möglich, etwas zu tun, um sich den geänderten Bedingungen mit großer Hitze und weniger Wasser im Sommer anzupassen. Aber, so warnt der Klimaexperte wörtlich: "Man darf darüber hinaus nicht vergessen, auch weiter an der Senkung der CO2-Emission zu arbeiten. Denn wenn wir das nicht machen, besteht das Risiko, dass wir uns in ein paar Jahrzehnten in einer Situation wiederfinden, in der wir uns dem Klima trotz aller Anstrengungen nicht mehr anpassen können."
Kay Wagner