Wenn man ausdrücken möchte, dass etwas nicht sehr wahrscheinlich ist, dann sagt man ja zum Beispiel, dass die Chance ungefähr so hoch ist, wie im Lotto zu gewinnen. Oder eben wie die, vom Blitz getroffen zu werden. Wobei es sogar Leute geben soll, denen schon beides passiert ist.
Aber Spaß beiseite: Man sollte die Gefahr nicht unterschätzen, vom Blitz getroffen zu werden. Immerhin passiert das in Belgien pro Jahr rund 30 Menschen. Mit manchmal leider auch tödlichen Folgen oder bleibenden Schäden.
Umso wichtiger ist, einige Grundregeln zu beachten, dadurch lässt sich das Risiko, vom Blitz getroffen zu werden nämlich erheblich reduzieren. Dazu gehört zum Beispiel, erstmal diverse sogenannte Volksweisheiten über Blitze ganz schnell zu vergessen. Zum Beispiel, dass ein Blitz nie zwei Mal am gleichen Ort einschlägt. Das kann nämlich sehr wohl passieren. Oder dass Blitze eher in bestimmte Baumsorten einschlagen und nicht in andere: Das ist auch widerlegt. Und ja, es gibt tatsächlich auch den sprichwörtlichen Blitz aus heiterem Himmel. Man sollte sich also im Zweifelsfall nicht darauf verlassen, dass es erst blitzt, wenn es schon regnet.
Damit sind wir dann auch schon bei der zweiten wichtigen Grundregel: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, man sollte unbedingt vorausplanen. Und das beinhaltet einen guten Blick auf die Wettervorhersage, unterstreicht Sébastien Doutreloup im Interview mit der RTBF. Er ist Klimatologe und Geograf. Wobei man die Wetterprognosen natürlich auch verstehen und befolgen sollte dann, logisch.
Wenn Gewitter oder sogar schwere Gewitter angesagt sind, rät der Experte wirklich davon ab rauszugehen. Und das gilt erst recht, wenn Alarmstufe Gelb, Orange oder gar Rot ausgerufen worden ist. Besonders gefährlich wird es dann nämlich im offenen Gelände. Weil logisch: Ein Blitz schlägt vereinfacht gesagt irgendwo ein, weil der bestehende Ladungsunterschied ausgeglichen werden muss. Und zwar schnellstmöglich. Was bedeutet, dass sich ein Blitz im Normalfall den kürzesten Weg sucht und in hohe Strukturen einschlägt, etwa in Kirchtürme oder Bäume. Im offenen Gelände sind solche hohen Strukturen per Definition eher Mangelware. Und das kann Menschen zum höchsten Punkt machen - und damit zum Ziel für einen Blitz.
Am besten ist es deswegen, sich möglichst schnell vor einem Gewitter in Sicherheit zu bringen. Im Idealfall in ein festes, geschlossenes Gebäude. Wobei empfohlen wird, sich dann auch von den Fenstern fernzuhalten. Ein Auto ist ebenfalls ein ausgezeichneter Zufluchtsort, Stichwort "Faradayscher Käfig", für die, die sich noch an den Physikunterricht erinnern. Allerdings sollte man unbedingt darauf achten, wo das Auto abgestellt ist. Denn es hat durchaus schon den tragischen Fall gegeben, bei denen Menschen in einem geparkten Auto von einem umstürzenden Baum getötet worden sind.
Aber leider sind Gebäude und Autos nicht immer zur Hand, wenn man irgendwo von einem Gewitter überrascht wird. Aber auch dann kann man versuchen, das Risiko durch das eigene Verhalten zu verringern. Zunächst mal sollte man aus offensichtlichen Gründen auf jeden Fall Abstand halten von Metallstrukturen, allein stehenden Bäumen und Gewässern. Weil es reicht auch schon, nur in der Nähe des Blitzeinschlagsortes zu sein, um noch ordentlich etwas abzubekommen. Aus den gleichen Gründen sollte man auch Berggipfel unbedingt meiden und selbst höhere Hügel. Waldränder und Felsen sind ebenfalls keine gute Idee, damit man nicht von irgendwas anderem getroffen wird im Fall der Fälle.
Und, so lächerlich das vielleicht erstmal klingen mag: Experten empfehlen, sich möglichst kleinzumachen, wenn man im Freien in ein Gewitter gerät. Am besten soll dabei sein, in die Hocke zu gehen. Abgeraten wird mittlerweile von einem früheren Ratschlag, nämlich davon, sich flach auf den Boden zu legen. Und man sollte auch nicht versuchen, dem Gewitter noch mit großen Schritten entkommen zu wollen. Beides vergrößert nämlich die potenzielle Angriffsfläche und damit das Risiko, von einem Blitz getroffen zu werden. Und für Gruppen gilt außerdem: verteilen und mehrere Meter Abstand halten, nicht zusammenrotten.
Boris Schmidt