Der föderale Verbraucherschutzminister Rob Beenders (Vooruit) sieht Grund zum Handeln: Er bekomme regelmäßig Post von Bürgern, die keinen Überblick mehr hätten über ihre Versicherungen, liest man am Montag in verschiedenen Zeitungen. Viele hätten Versicherungen, die sie gar nicht oder nicht mehr bräuchten. Oder sie seien sogar unnötigerweise doppelt versichert, sagt Beenders in der VRT. Die Menschen beschwerten sich auch, dass kündigen sehr aufwendig sei oder dass sie nicht wüssten, wie man das überhaupt mache.
Das bestätigt im Wesentlichen auch der Ombudsdienst für Versicherungen: Schwierigkeiten beim Kündigen von Versicherungen gehören zu den häufigsten Beschwerden, sie machen rund zehn Prozent aller Dossiers aus, in denen der zuständige Ombudsdienst interveniert. Am häufigsten geht es dabei um verpasste Kündigungstermine oder darum, dass man per Einschreiben kündigen muss.
Die Folgen liegen auf der Hand: Viele bleiben einfach bei ihrer Versicherung, weil sie den Aufwand scheuen. Wobei "viele" eigentlich eine dramatische Untertreibung ist laut den Zahlen des Ministers: Pro Jahr wechselten nur fünf bis zehn Prozent der Belgier ihre Versicherung. Oder anders ausgedrückt: Die überwältigend große Mehrheit bleibt bei ihrer alten Versicherung. Und das, obwohl ihnen das oft finanziell sogar schadet. So mancher Haushalt könne pro Jahr Hunderte Euro sparen – durch Vergleichen und Wechseln.
Deswegen hat die Föderalregierung beschlossen, dass das alles ab dem nächsten Frühjahr viel, viel einfacher werden muss: Jede Versicherung wird dann auf ihrer Webseite und App mit einem Knopfdruck anzeigen müssen, welche Versicherungsprodukte Kunden haben und wie sie sie kündigen können. Drei Klicks reichten dann eigentlich, um eine Versicherung zu kündigen, verspricht Beenders.
Wobei der Ombudsdienst in diesem Zusammenhang schon warnt, dass dadurch auch das Risiko steigen könnte, eine Versicherung versehentlich zu kündigen. Schließlich sehe man ja schon jetzt, dass Menschen über das Internet schnell unbeabsichtigt eine Versicherung abschlössen, das Umgekehrte sei also sicher vorstellbar.
Wechseln soll ebenfalls deutlich vereinfacht werden: Damit kann man dann nämlich seinen Versicherungsmakler beauftragen. Der neue Versicherer muss sich dann darum kümmern, dass die alte Versicherung ordnungsgemäß gekündigt wird. Und zwar, ohne dass es zu Perioden mit doppeltem oder ohne Versicherungsschutz kommt.
Der Versicherungssektor scheint nur mäßig begeistert zu sein. Dabei spielt sicher auch eine Rolle, dass sich im Namen des Verbraucherschutzes gerade einiges ändert: Die gesetzliche Kündigungsfrist wurde schon 2024 von drei auf zwei Monate verkürzt. Und seit ein paar Tagen dürfen Versicherungen auch nicht mehr stillschweigend verlängert werden, die Kunden müssen ihre explizite Zustimmung geben. Das sei schon einiges in sehr kurzer Zeit, so der Sektor sinngemäß.
Boris Schmidt