Es ist ein Prinzip, das eigentlich auf viele Dinge in der Welt zutrifft: Vorgänge sollten nicht isoliert betrachtet werden, weil - etwas überspitzt ausgedrückt - alles irgendwie mit allem zusammenhängt. Und teilweise sehr weitreichende Folgen haben kann. Ein Bereich, auf den das ganz sicher zutrifft, ist die Natur. Das erklärt Joeri Cortens von der Umweltschutzorganisation Natuurpunt in der VRT. "Es gibt immer Folgereaktionen, da werden Ketten in Gang gesetzt. Oft kommen auch verschiedene Faktoren zusammen, die gemeinsam teilweise dramatische Auswirkungen haben können."
Zum Beispiel, dass es an bestimmten Orten zu großem Fischsterben kommt. Dafür kann es prinzipiell natürlich verschiedene Gründe geben, aber im aktuellen Kontext verenden die Fische meist schlicht und ergreifend wegen des Sauerstoffmangels im Wasser. Und der hat verschiedene Ursachen. "Zum einen verbrauchen Fische einfach mehr Sauerstoff, wenn es wärmer ist, das ist ein biologischer Faktor. Hinzu kommt ein physikalisch-chemischer Faktor: Je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff kann darin gelöst werden. Mit steigenden Temperaturen sinkt also der Sauerstoffgehalt."
Und wenn dann noch viel Stickstoff und Phosphat im Wasser ist, ist die Katastrophe perfekt, dann kann es zu einer regelrechten Explosion des Algenwachstums kommen. Algen produzieren tagsüber, also wenn die Sonne scheint, zwar Sauerstoff, nachts aber verbrauchen sie ihn. Und das kann zu teilweise heftigen Schwankungen der Sauerstoffkonzentration führen im Wasser, mit potenziell tödlichen Folgen für die Fische.
So eine Algenblüte kann sich auch negativ auf die Pflanzenwelt im Wasser auswirken. Denn irgendwann gibt es so viele Algen im Wasser, dass immer weniger Licht durchkommt und Wasserpflanzen absterben.
Blaualgen setzen Giftstoffe frei
Und dann gibt es die Blaualgen. Sie sind zwar trotz ihres Namens gar keine Algen, sondern Cyanobakterien. Das Wichtige ist aber nicht, was sie sind, sondern dass sie Giftstoffe freisetzen, wenn sie zerfallen. Und mit denen ist nicht zu spaßen. "Diese Giftstoffe können Irritationen an Haut und Augen verursachen. Wenn solches Wasser getrunken wird oder anderweitig in den Körper gelangt, können Darm- und Magenbeschwerden die Folgen sein. In Extremfällen, also wenn man den Giftstoffen lange ausgesetzt ist, können sogar Nieren- und Leberschäden auftreten", sagt Pieter Boets, ein Experte für Wasserökologie.
Das passiere aber nur selten, aber in jedem Fall sollte man sich von Blaualgen-Wasser fernhalten. Deswegen gebe es die Badeverbote, wenn irgendwo höhere Konzentrationen an Cyanobakterien festgestellt werden. "Und was für Menschen gilt, gilt auch für Tiere, etwa, wenn sie solches Wasser trinken" sagte Joeri Cortens.
Tier- und Pflanzenarten aus dem Süden breiten sich aus
Aber die Hitze wirkt sich natürlich nicht nur im Wasser aus, sondern auch auf dem Land. Bäume zum Beispiel werfen aktuell als Schutzreaktion massiv ihre Blätter ab. Das wiederum bedeutet jede Menge Futter für Insekten wie Raupen. Und die wiederum bescheren Vögeln einen reichlich gedeckten Tisch und so weiter und so fort. Man sieht auch hier wieder die Kettenreaktionen in der Natur.
"Aber nicht nur die Zahl der Tiere kann sich durch die Hitze verändern, sondern auch die vorkommenden Arten", erklärt Cortens. Durch die Klimaerwärmung breiten sich nämlich Tier- und auch Pflanzenarten aus dem Süden, die besser an warmes Klima angepasst sind, immer weiter nach Norden aus.
Das klinge vielleicht erst einmal nicht schlimm, aber dadurch könnten heimische Arten verdrängt werden, die nun schlechter angepasst seien an das veränderte Klima als die Neuankömmlinge. Und wenn die nicht noch weiter nach Norden ausweichen.
Boris Schmidt