Mit seinen 0,5 Prozent war das belgische Wirtschaftswachstum halb so hoch wie der Durchschnitt der Eurozone. Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der Europäischen Union war mit 1,2 Prozent sogar mehr als doppelt so hoch wie das belgische.
Auch Belgiens große Nachbarländer schnitten deutlich besser ab: In Frankreich betrug das Wirtschaftswachstum laut Europäischer Kommission 0,7 Prozent, in Deutschland 0,9 Prozent und in den Niederlanden sogar 1,3 Prozent.
Der Chef-Ökonom von ING Belgien sieht in der Zeitung vor allem zwei Gründe für diese Entwicklung und spricht von einem "Schereneffekt". Durch die automatische Indexierung der Löhne in Belgien reagiere das Land schneller auf hohe Inflation. Die Löhne und damit die Kaufkraft stiegen so schneller als in anderen Ländern. Und das schlage sich in einem höheren Wirtschaftswachstum nieder in solchen Perioden, gefolgt von einem langsameren Wirtschaftswachstum in den Jahren danach.
Was man in anderen europäischen Ländern jetzt an Wirtschaftswachstum sehe, sei also zumindest zum Teil eine Aufholbewegung im Vergleich zu Belgien. Außerdem habe Belgien zu Beginn des Inflationsschocks durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine noch großzügige Unterstützungsmaßnahmen für die Bevölkerung gefahren. Diese Maßnahmen seien aufgrund der prekären Haushaltslage mittlerweile weggefallen.
Der Chef-Ökonom prangert aber auch strukturelle Schwächen der belgischen Wirtschaft an: Die machten sich immer stärker bemerkbar. Der Dienstleistungssektor sei zwar leicht gewachsen, aber etwa das Baugewerbe und die Industrie seien geschrumpft.
Boris Schmidt