In Belgien sind während der Juni-Hitzewelle laut Gesundheitsinstitut Sciensano über 2.000 Menschen mehr als sonst gestorben. Die Übersterblichkeit beträgt damit 48 Prozent. Das liegt deutlich über Nachbarländern wie Frankreich oder den Niederlanden, wo die Temperaturen vergleichbar waren mit denen in Belgien. In Frankreich betrug die Übersterblichkeit plus 23 Prozent, in den Niederlanden sogar nur plus 13 Prozent.
Außerdem spielen sozioökonomische Faktoren eine Rolle, wie ein Biostatistiker in der Zeitung hervorhebt: In ärmeren Regionen sind deutlich mehr Menschen gestorben als in reicheren. In der Wallonie etwa sind die Opferzahlen viel höher als in Flandern. In großen, freistehenden Häusern mit Grün in der Umgebung baue sich die Wärme längst nicht so stark auf wie in kleinen Wohnungen, in denen viele Menschen lebten, so der Experte.
Aber selbst in Flandern liegt die regionale Übersterblichkeit über der in Frankreich und den Niederlanden. Als Grund dafür führt der Biostatistiker die dichte Bebauung Flanderns an, die die Abkühlung erschwert.
Eine weitere Schlussfolgerung ist ein deutliches Nord-Süd-Gefälle. In Frankreich sind laut EuroMOMO etwa im Norden die meisten zusätzlichen Toten während der Hitzewelle erfasst worden, während die Übersterblichkeit im Süden und Südosten des Landes sehr gering blieb. Das liege an der besseren Anpassung an die Hitze.
Boris Schmidt