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"Alle weißen Männer nach hinten" ist laut Unia keine Diskriminierung

24.07.202611:48
  • Ostflandern
  • Unia
Eröffnungstag der "Gentse Feesten"
Eröffnungstag der "Gentse Feesten" (Bild: Nicolas Maeterlinck/Belga)

Die niederländische Sängerin Sophie Straat hat beim Musikfestival Gentse Feesten für Aufregung gesorgt. Am Ende ihres Konzerts hatte sie gesagt: "Keine Zeit für Nuancen. Alle weißen Männer nach hinten". War das diskriminierend?

Mit ihrer Aufforderung wollte Sophie Straat vor der Bühne Platz schaffen für andere Gruppe in ihrem Publikum: für Frauen, queere Menschen und Menschen anderer Hautfarbe. Für Menschen, die eben keine weißen Männer sind, sondern historisch gesehen und bis heute nach Ansicht einiger gesellschaftlicher Gruppen Opfer der herrschenden Schicht weißer Männer geworden sind oder es immer noch sind.

Beim belgischen Antidiskriminierungszentrum Unia gab es nach dem Konzert über 200 Beschwerden gegen diese Aussage. Tenor: Die Aufforderung würde Männer pauschal aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts diskriminieren. Allgemein gilt es tatsächlich als diskriminierend, wenn Menschen aufgrund dieser Kriterien nicht genauso behandelt werden wie andere auch.

Gleicher Vorfall schon in den Niederlanden

In den Niederlanden, wo Sophie Straat mit der gleichen Aussage zu weißen Männern bei einem Konzert vor einem Monat schon einmal für die gleiche Diskussion gesorgt hat, wurde deshalb auch in Medien gefragt, wie die Gesellschaft wohl reagieren würde, wenn jemand auf einer Bühne sagen würde: "Alle schwarzen Männer jetzt nach hinten."

Unia hat sich jedoch dazu entschieden, die Aussage der Sängerin nicht als diskriminierend einzustufen. Für diese Entscheidung sind laut Unia zwei Gründe ausschlaggebend: Zum einen habe die Sängerin weiße Männer nicht von ihrem Konzert ausgeschlossen.

Zum anderen verweist Unia auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte. Demnach würden Politiker und Künstler – wie eben Sophie Straat auch – einen gewissen Spielraum bei provokativen oder gar schockierenden Äußerungen haben. Wichtig sei gewesen, dass die Sängerin nicht zum aktiven Handeln gegen weiße Männer aufgerufen habe. Das nämlich hätte die Grenze zur Diskriminierung tatsächlich überschritten.

In einem Porträt der Sängerin zeigt die Zeitung De Standaard auf, dass solche Äußerungen von Sophie Straat zu ihrer Künstler-Persönlichkeit passen. Die Sängerin habe Musik bewusst als Ausdrucksform gewählt, um ihre – pauschal gesehen – linken Überzeugungen zu verbreiten, ihre Haltung gegen das Patriarchat, gegen Rassismus und Sexismus in der Gesellschaft und ähnliche Themen.

"Sie hätte auch etwas anderes sagen können"

Schon vor dem Urteil hatte sich der Genter Diversitätsexperte Khalid Benhaddou bei der VRT zu dem Fall geäußert. Er bedauert die Äußerung von Sophie Straat ausdrücklich. Solche Äußerungen seien Öl auf das Feuer von reaktionären und rechten Gruppen.

Grundsätzlich sei es bei der Diskussion um gleiche Rechte für alle gut, niemanden auszuschließen, also neue Mauern zu errichten. Vielmehr müsse der Freiraum, den einige Gruppen schon länger genießen, auf alle erweitert werden.

"Sie hätte auch etwas anderes sagen können", hatte Benhaddou bereits vor der Einschätzung von Unia bei der VRT gesagt. Benhaddou ist kein "typisch weißer Mann", sondern ein Moslem mit marokkanischen Wurzeln.

Kay Wagner

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