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Klimawandel: Der Druck von unten nimmt zu

14.07.202613:23
Maispflanzen in ausgedörrter Erde
Illustrationsbild: Fotocostic/Smarterpix

Ein Großteil der Nachrichten scheint sich aktuell um den Klimawandel und seine Folgen zu drehen. Angefangen vom Gedenken an die Flutkatastrophe über Tipps, wie man die aktuelle Hitzewelle besser übersteht, bis hin zu Berichten über die verheerenden Waldbrände in Frankreich und Spanien. Aber was sagen eigentlich die Experten dazu?

Mit dem Klimawandel ist es wie mit Corona und vielen anderen Themen: Manche werden immer leugnen, dass es ihn gibt, egal, wie viele Beweise die Wissenschaft anschleppt und wie schmerzhaft die Folgen auch sind.

Das sei schon sehr frustrierend, räumt der Klimaexperte und Hochschullehrer Hans Bruyninckx im Interview mit Radio Eén ein. Er ist jahrelang Direktor der Europäischen Umweltagentur gewesen. Er merke das auch bei Kollegen. Man müsse sich schon fragen, wie hart und deutlich beziehungsweise wie offensichtlich die Folgen noch sein müssten, um zu manchen Menschen durchzudringen.

Für Klimawissenschaftler wie ihn besteht nicht der geringste Zweifel: Alles, was wir in den letzten Jahren gesehen haben oder gerade sehen sind lange vorhergesagte Folgen der Erderwärmung.

Niemand könne behaupten, dass das nicht vorhersehbar gewesen sei. Und gewisse Leute könnten auch noch so lange versuchen, Wissenschaftler als Panikmacher und Schwarzmaler abzutun, die Gesetze der Physik blieben die Gesetze der Physik, stellt Bruyninckx klar.

Mehr noch: Manche Folgen des Klimawandels seien schneller aufgetreten, als man noch vor ein paar Jahren gedacht habe. Deswegen habe man die großen Waldbrände auch nicht mehr nur im Mittelmeerraum, sondern nun eben selbst vor den Toren von Paris und vor nicht so langer Zeit sogar in Skandinavien.

Hitze und Trockenheit breiteten sich geographisch immer weiter aus. Und nicht nur das: Wie bei anderen Klimaphänomenen müsse man auch hier davon ausgehen, dass das häufiger passieren und noch intensiver werden werde.

Was ganz und gar nicht heißen soll, dass man resigniert die Hände in den Schoß legen sollte, unterstreicht der Wissenschaftler. Es gebe durchaus Wege, um die Gesellschaft klimarobuster zu machen.

Aber leider sei der Weg schmaler und steiler geworden: Die Zeit dränge immer mehr, um mehr zu tun. Und verschiedene Optionen zum Gegensteuern, die man vor 30 Jahren noch gehabt hätte, seien mittlerweile am Verschwinden. Da sei man einfach von der Realität eingeholt worden.

Der Experte will auch noch etwas klarstellen: Manche verbreiteten ja das Ammenmärchen, dass die Auswirkungen des Klimawandels weniger schlimm als erwartet ausfallen würden. Aber das sei nicht das, was die Klimawissenschaft sage.

Bruyninckx glaubt aber auch, dass der Druck der Bevölkerung auf die Politik immer größer werden wird, in puncto Klimapolitik nicht länger so zu zaudern.

Da seien zum einen die unübersehbaren gesundheitlichen Folgen des Klimawandels, sowohl die physischen als auch die psychischen. Die Menschen machten sich Sorgen um ihre Gesundheit. Und natürlich auch um die ihrer Kinder und Enkel oder die gefährdeter Angehöriger. Da sei Druck auf dem Kessel.

Andererseits würden auch die finanziellen und wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels immer größer. Schon jetzt sei es quasi unmöglich, sich noch ausreichend gegen Klimaschäden zu versichern. Auch von hier wachse also der Druck, endlich den Fuß von der Bremse zu nehmen.

Belgien habe ja schließlich einen Plan, um sich an den Klimawandel anzupassen. Aber das Problem sei, dass dieser Plan wenig ausgeführt werde, dass kaum Mittel dafür vorgesehen seien und dass die Maßnahmen sehr zersplittert seien. Es gehe einfach langsam, zu langsam. Es sei zwar richtig und wichtig, den Bürgern Tipps und Empfehlungen zu geben, um Hitzewellen besser zu überstehen.

Aber vor allem müssten die Verantwortlichen begreifen, dass der Klimawandel ein systemisches und strukturelles Problem sei. Und entsprechend politisches Handeln erfordere.

Boris Schmidt

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