Menschen, die im Gesundheits- und Pflegesektor tätig sind, gehen häufig zur Arbeit, obwohl sie krank sind. Das melden die Zeitungen De Standaard und Het Belang van Limburg unter Berufung auf eine Umfrage der christlichen Gewerkschaft unter ihren Mitgliedern. Rund die Hälfte der Befragten gab dabei an, trotz Gesundheitsproblemen zum Dienst zu erscheinen.
Aus den Umfrageergebnissen geht erneut hervor, dass viele der betroffenen Arbeitnehmer unter sehr hohem Arbeitsdruck leiden: 35 Prozent des befragten Gesundheitspersonals gibt an, jede Woche Überstunden zu machen. 40 Prozent prangern außerdem an, pro Monat mehrere Male ungeplant für Kollegen einspringen zu müssen.
Insgesamt kommen laut der Untersuchung so pro Kopf und Monat zwischen fünf und 40 Überstunden zusammen. Manche Menschen hätten so unfreiwillig sogar Hunderte Überstunden angehäuft, liest man etwa in De Standaard. Ein Fünftel der Betroffenen könne die Überstunden auch nicht zeitnah wieder abbauen.
Als häufigste Gründe für diese Mehrarbeit werden ein struktureller Personalmangel genannt, die Erkrankung oder Abwesenheit aus anderen Gründen von Kollegen und unerwartete Krisensituationen. Der Druck auf das System sei so groß, dass sie sich deswegen trotz eigener Krankheit verpflichtet fühlten, weiter zur Arbeit zu gehen, so die Hälfte der Befragten.
18 Prozent geben außerdem an, dass Überstunden in der Praxis nicht freiwillig, sondern verpflichtend seien, die Hälfte erklärt, dass Überstunden von ihnen erwartet würden.
Die Gewerkschaft spricht von einem Teufelskreis: Der Personalmangel führe zu mehr Überstunden und damit zu Erschöpfung. Die Folge sei, dass Menschen häufiger ausfielen oder kündigten, was den Personalmangel noch weiter verschärfe und noch mehr Überstunden nötig mache.
Boris Schmidt