Vincent Callebaut ist ein international renommierter Architekt der so genannten ökologischen Architektur. Projekte von ihm stehen unter anderem in Paris, New York und Taipeh. Zahlreiche internationale Auszeichnungen hat der in Löwen geborene, an der Uni Brüssel ausgebildete und jetzt von seinem Büro in Paris aus arbeitende Star-Architekt schon erhalten.
Am Freitagvormittag war er zugeschaltet im Radio der RTBF. Zum einen um zu erklären, warum es zurzeit wegen der großen Hitze draußen auch in vielen Gebäuden so heiß ist. Zum anderen um Hoffnung zu verbreiten, wie sich das in Zukunft durch neuartige Baustile und Renovierungsarbeiten ändern könnte.
Punkt eins war schnell geklärt. Dass sich die Hitze von draußen in belgischen Wohnungen und Häusern zurzeit staut und auch durch Lüften in der Nacht kaum wegzubekommen ist, sei vor allem dadurch begründet, dass sich die Bauart bislang vor allem an der kalten Jahreszeit orientiert habe. Selbst die großen energietechnischen Renovierungen der vergangenen Jahre an Gebäuden seien in der Regel mit Blick auf diese kalte Jahreszeit konzipiert, um die Wärme in den Gebäuden zu halten, sagt Callebaut.
Mit den nicht mehr ganz so neuen Erfahrungen der großen Hitzewellen auch in westlichen Ländern habe sich allerdings mittlerweile eine neue Art des Bauens entwickelt. Diese bioklimatische Architektur, erklärt Callebaut, habe das Ziel, das Überhitzen der Gebäude zu vermeiden. Vorbild für diese bioklimatische Architektur seien Baustile und Gebäudekonzepte vor allem aus Ländern des Nahen und Mittleren Ostens sowie aus Süd-Ost-Asien. Länder also, die seit langem Erfahrung mit großer Hitze haben und entsprechend die Art und Weise, wie Häuser und Wohnungen gebaut werden, diesen klimatischen Umständen angepasst haben.

Kernelemente seien dabei zum Beispiel der Schutz der Außenwände vor direkter Sonneneinstrahlung. Auch Innenhöfe mit Pflanzen und vielleicht auch Springbrunnen - insgesamt eine offenere Bauweise als die, die man in Belgien traditionell praktiziert. "Wenn wir heute neue Wohnungen entwerfen", sagt entsprechend Architekt Callebaut, "sind das so genannte 'durchgängige' Wohnungen. Im Süden gibt es eine große, schattige Terrasse, die wir Loggia nennen. Dann folgt das Wohnzimmer und im Norden der Schlafbereich mit den Zimmern."
Aber auch an bestehender Bausubstanz ließen sich Veränderungen vornehmen, um Gebäude resistenter gegen zu großes Erhitzen zu gestalten. Isoliermaßnahmen, Schutz vor direkter Sonnenbestrahlung der Wände und Pflanzen zum Beispiel an Häuserwänden, auf Balkonen oder Dächern nennt Architekt Callebaut als wichtigste dieser Maßnahmen.
Parallel dazu müssten in Städten wieder viel mehr Flächen für Wasser- und Grünanlagen entstehen. Dafür müssten Betonflächen aufgerissen werden überall dort, wo es möglich ist. Auch das würde dazu beitragen, das Mikro-Klima in Städten erträglicher zu machen bei großer Hitze.
Kay Wagner