Autos wachsen seit Jahrzehnten
Die Entwicklung verlief schleichend, ist inzwischen aber deutlich sichtbar. Nach Berechnungen der Nichtregierungsorganisation Transport & Environment (T&E) sind Neuwagen in den vergangenen 25 Jahren durchschnittlich 30 Zentimeter länger und 12 Zentimeter höher geworden.
Dabei bezieht sich die Untersuchung lediglich auf den Zeitraum seit 2001 - also längst nicht auf die Zeiten von Ente oder Renault 5. Moderne Fahrzeuge nehmen heute deutlich mehr Platz ein als ihre Vorgänger.
Mehr Technik braucht mehr Raum
Ein Grund für das Größenwachstum liegt in der Sicherheitstechnik. Moderne Fahrzeuge verfügen über aufwendig konstruierte Knautschzonen, die sich bei einem Unfall gezielt verformen und so die Insassen schützen sollen. Hinzu kommen zahlreiche Airbags, die längst nicht mehr nur im Lenkrad verbaut sind.
Auch neue Technologien beanspruchen zusätzlichen Platz. Fahrerassistenzsysteme benötigen Sensoren, Steuergeräte und umfangreiche Verkabelung. Bei Elektroautos kommt außerdem die Batterie hinzu, die deutlich mehr Raum einnimmt als ein herkömmlicher Benzin- oder Dieseltank.
Mehr Schutz im Auto - größeres Risiko außerhalb
Während größere Fahrzeuge ihren Insassen mehr Sicherheit bieten, steigt gleichzeitig das Risiko für Fußgänger und Radfahrer. Der Grund ist vor allem die höhere Motorhaube.
Bei einem Zusammenstoß trifft sie Erwachsene und Kinder an einer anderen Körperstelle als eine niedrigere Frontpartie. Studien zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einem Unfall zu sterben, um rund 30 Prozent steigt, wenn die Motorhaube 90 statt 80 Zentimeter hoch ist.
Deshalb fordern Umweltverbände in Belgien inzwischen gesetzliche Vorgaben zur Fahrzeuggröße sowie höhere Steuern für besonders große und schwere Modelle.
Parkplätze werden knapp
Nicht nur die Sicherheit bereitet Experten Sorgen. Auch die Infrastruktur in den Städten stößt zunehmend an ihre Grenzen.
Transport & Environment hat berechnet, dass bei einem anhaltenden Trend zu immer größeren Fahrzeugen in den kommenden 15 Jahren bis zu 14 Prozent der heutigen Parkplätze verloren gehen könnten. Der vorhandene Raum würde schlicht nicht mehr ausreichen, um die wachsenden Fahrzeuge unterzubringen.
Brüssel denkt über Einschränkungen nach
In Brüssel wird deshalb bereits über neue Maßnahmen diskutiert. So könnten Parkgebühren künftig vom Gewicht eines Fahrzeugs abhängen. Für besonders schwere Autos steht sogar ein Fahrverbot zur Debatte.
Ganz abwegig ist die Idee nicht: Der Brüsseler Koalitionsvertrag sieht die Einführung einer sogenannten LISA-Zone ("Light and Safe") vor. Ähnlich wie die bestehenden Umweltzonen könnten sie schrittweise besonders schwere Fahrzeuge aus bestimmten Stadtgebieten ausschließen.
demorgen/okr