078/170 170 – das ist die Nummer, die wirklich jeder auswendig lernen sollte. Wobei das viele Menschen wahrscheinlich sowieso schon getan haben. Weil 078/170 170 ist auch die Nummer von "Cardstop", also des zentralen Dienstes, um Bankkarten blockieren zu lassen, zum Beispiel im Fall eines Diebstahls oder sonstigen Verlusts.
Das ist auch eine ganz bewusste Entscheidung, wie sowohl der föderale Verbraucherschutzminister Rob Beenders als auch der Bankenverband Febelfin betonen. Man habe wirklich vermeiden wollen, dass sich Bankkunden noch eine Telefonnummer merken müssten. Vor allem weil eben schon eine bekannte Nummer mit hohem Wiedererkennungswert vorhanden gewesen sei.
Fraudstop ist 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche erreichbar, hebt Isabelle Marchand von Febelfin gegenüber der VRT hervor. Sobald man nämlich auch nur den geringsten Verdacht hat, dass etwas nicht stimmt, muss man sofort handeln. Und das bedeutet eben, die 078/170 170 anrufen. Damit die Banken umgehend alle digitalen Dienste der betroffenen Kunden blockieren können.
Dabei gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, abhängig von der Bank, bei der man Kunde ist: Entweder Fraudstop schickt einen automatischen Bericht an die betroffene Bank, die das Notwendige veranlasst. Oder Fraudstop stellt die Anrufer durch zur zuständigen Abteilung der Bank, um die Blockierungen durchzuführen. Falls Letzteres der Fall ist, ist es natürlich wichtig, auch wirklich bis zum Ende am Telefon zu bleiben.
Fakt ist jedenfalls, dass es ganz sicher nicht schaden kann, dass Cardstop jetzt zu Fraudstop erweitert worden ist, dass es also nicht mehr nur eine zentrale Telefonnummer für die Sperrung von Bankkarten gibt, sondern auch, um möglichen Online-Betrug oder Phishing zu melden.
Die Kriminalitätsstatistiken sprechen nämlich für sich: Im März dieses Jahres gingen beim Zentrum für Cybersicherheit nämlich pro Tag 42.000 Meldungen über versuchten Diebstahl von persönlichen Bankdaten ein. Und es ist davon auszugehen, dass es eine enorm hohe Dunkelziffer gibt.
Wir werden, statistisch betrachtet, also wirklich rund um die Uhr bombardiert mit Phishing- und Betrugsversuchen. Und die Verbrecher werden immer geschickter beim Vorspiegeln falscher Identitäten, zum Beispiel von angeblichen Bank- oder Behördenmitarbeitern. Auch und gerade dank Künstlicher Intelligenz. Und die Kriminellen nutzen alle erdenklichen Maschen: gefälschte E-Mails oder WhatsApp-Berichte, Freundschaftsbetrug über die sozialen Medien oder gefälschte Rechnungen. Der Fantasie sind wirklich keine Grenzen gesetzt.
Die Banken setzten schon seit Jahren auf Rund-um-die-Uhr-Erreichbarkeit, um Betrug zu melden, betont die Febelfin-Sprecherin. Dafür habe jede Bank eine eigene Telefonnummer. Die Erfahrung habe aber gelehrt, dass Menschen in Not- und Stresssituationen nicht immer wüssten, welche Telefonnummer sie dann anrufen müssten. Deswegen eben nun die neue Möglichkeit, die zentrale Telefonnummer 078/170 170 zu nutzen.
Ein paar wichtige Anmerkungen: Erstens: Bankkunden können auch weiterhin die individuelle Betrugsverdacht-Telefonnummer ihrer Bank anrufen, eine Übersichtsliste findet man auch auf der Internetseite.
Zweitens: Der Anruf bei Fraudstop ist immer nur der erste Schritt. Wer Opfer von Kriminellen wurde, sollte nicht nur die Bank kontaktieren, sondern unbedingt auch Anzeige bei der Polizei erstatten.
Drittens: Die meisten in Belgien operierenden Banken machen mit bei Fraudstop, aber es gibt eben auch Ausnahmen. Die Internetbank Revolut ist zum Beispiel nicht dabei. Im Zweifelsfall also auf der Fraudstop-Webseite nachschauen, ob die eigene Bank gelistet ist.
Viertens, und das ist extrem wichtig: Fraudstop wird – genauso wie Cardstop oder die Banken – nie auf eigene Initiative Menschen anrufen und nach persönlichen oder Bankdaten fragen oder zum Ausführen bestimmter Aktionen am Telefon oder Computer auffordern. Wer so einen angeblichen Fraudstop-Anruf erhält: sofort auflegen! Weil das sind dann Verbrecher, die sich die Bekanntheit der Nummer zunutze machen wollen, um Opfer auszunehmen.
Boris Schmidt