Der belgische Physik-Nobelpreisträger François Englert ist im Alter von 93 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie mit. Englert starb am Donnerstag in Uccle.
Mit seinem Tod verliert Belgien einen seiner bedeutendsten Wissenschaftler. International bekannt wurde er durch seine Arbeiten zur Teilchenphysik. Dafür erhielt er 2013 gemeinsam mit dem britischen Physiker Peter Higgs den Nobelpreis für Physik.
Bereits in den 1960er Jahren entwickelte Englert zusammen mit seinem Kollegen Robert Brout an der Freien Universität Brüssel eine Theorie, die erklärt, warum elementare Teilchen Masse besitzen. Zur gleichen Zeit kam auch Peter Higgs zu ähnlichen Schlussfolgerungen.
Lange fehlte jedoch der experimentelle Beweis. Jahrzehntelang suchten Forscher weltweit nach dem sogenannten Higgs-Boson, auch Brout-Englert-Higgs-Boson genannt. Erst 2012 gelang am Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf der Nachweis. Die Entdeckung des sogenannten "Gottesteilchens" wurde als Meilenstein der modernen Physik gefeiert und führte ein Jahr später zur Verleihung des Nobelpreises an Englert und Higgs.
Englert wurde 1932 in Etterbeek geboren. Nach dem Abitur studierte er an der Freien Universität Brüssel Ingenieurwissenschaften und später Physik. Der Uni blieb er eng verbunden. Er leitete unter anderem die Abteilung für theoretische Physik. Neben der Teilchenphysik beschäftigte er sich auch mit Fragen der Kosmologie und der Entstehung des Universums.
Die Rektorin der ULB, Annemie Schaus, würdigte Englert als herausragenden Wissenschaftler und großen Humanisten. Seine Arbeiten hätten das Verständnis der Materie grundlegend verändert. Sein Einfluss reiche weit über die Wissenschaft hinaus.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Sohn polnisch-jüdischer Eltern vor der Deportation versteckt und gerettet. Die Menschen, die seiner Familie das Leben retteten, wurden später von Israel geehrt. Englert war Vater von fünf Kindern.
belga/rtbf/vk