Wer immer noch glaubt, dass man sich doch bitte nicht so anstellen soll wegen "ein bisschen" Sonnenbrand, dem kann man nur ans Herz legen, mal einen Blick auf die Krebsstatistiken zu werfen. Da steht es nämlich schwarz auf weiß: Hautkrebs ist die Krebsart, die in Belgien am schnellsten zunimmt. Und wenn man die Schockbotschaft lieber in absoluten Zahlen haben möchte: Jedes Jahr bekommen 50.000 Menschen in Belgien die Diagnose Hautkrebs.
"Hautkrebs entsteht nicht einfach aus heiterem Himmel, wir reden über einen Prozess, der sich über Jahre hinzieht. Das Problem ist aber, dass ein Sonnenbrand nach zwei Tagen oft schon wieder weg und damit vergessen ist", sagt Lien De Cooman von der Stiftung gegen Krebs im Interview mit Radio 2. Sie ist Präventions-Expertin.
Jede Verbrennung der Haut beschädigt die DNA des Körpers. Mit jedem Sonnenbrand entsteht also neuer Schaden an der Haut, wir reden hier über einen kumulativen Effekt, den die meisten Menschen nicht auf dem Schirm haben. Hinzu kommen noch gefährliche Schönheitsideale oder Falschinformationen, die nicht zuletzt über die sozialen Medien verbreitet werden: Nämlich, dass gebräunte Haut ein Zeichen für ein gesundes Leben ist. "Das aber ist ein großes Missverständnis. Wenn sich die Haut bräunt, dann ist das ein Zeichen, dass die Haut in den Verteidigungsmodus gegangen ist", sagt Lien De Cooman.
Besonders anfällig für diese Art von Falschinformationen sind offenbar junge Menschen. Nicht umsonst ist das sogenannte "Tanning" nach wie vor ein Trend in den sozialen Medien, also das stolze Fotografieren und Zeigen von Bräunungslinien oder -streifen. Dafür legen sich manche junge Menschen absichtlich lange in die pralle Sonne oder gehen sogar ins Solarium. Mit potenziell fatalen Folgen für ihre Haut. Da helfe wirklich nur Sensibilisieren, so De Cooman, und zwar möglichst früh.
Immerhin sind sich aber die meisten Menschen trotzdem mittlerweile bewusst, dass sie ihre Haut vor starker Sonneneinstrahlung schützen sollten. Alle zwei Jahre führt die Stiftung gegen Krebs entsprechende Umfragen durch. Und daraus geht hervor, dass die meisten Belgier Sonnencreme noch immer als eine der besten Schutzmaßnahmen gegen Sonnenbrand sehen.
"Das stimmt ja auch irgendwie, aber eben nicht ganz. Sonnencreme mit natürlich entsprechend hohem Lichtschutzfaktor ist die drittbeste Methode, um sich zu schützen." Am besten sei es aber, sich gar nicht erst oder möglichst wenig den gefährlichen Sonnenstrahlen auszusetzen. Damit will die Expertin aber nicht sagen, dass wir jetzt alle anfangen sollten, im Sommer eine Keller-Existenz zu führen.
Es geht darum, den sogenannten UV-Index im Auge zu behalten. Und wenn der über einen kritischen Wert von drei steigt, die gefährliche UV-Strahlung also besonders stark ist, geht man zwischen 12 Uhr und 15 Uhr nicht in die Sonne, sondern bleibt im Schatten. Man vermeidet also einfach die Zeit der stärksten Sonneneinstrahlung. "Ein denkbar einfacher Schritt. Und die beste Maßnahme, die man gegen Sonnenbrand ergreifen kann", sagt Lien De Cooman.
Genauso auf der Hand liegt die zweitbeste Art sich zu schützen: Kleidung tragen, die die Haut vor den riskanten UV-Strahlen schützt. Wenn man den UV-Index im Blick behalte und Zeitfenster mit zu hohen Werten vermeide, könne man die Sonne in Ruhe genießen. Und man müsse nicht immer darüber nachdenken, ob man die Sonnencreme eingepackt hat oder ob der Lichtschutzfaktor hoch genug ist.
Die meisten Wetter-Apps und -Webseiten zeigen heutzutage den UV-Index, die notwendigen Informationen sind also leicht zugänglich. Auf der Webseite des Königlichen Meteorologischen Instituts, des KMI, findet man das zum Beispiel als separate Sektion unter der Wettervorhersage.
Ein wirklich überschaubarer Aufwand. Der sich aber definitiv lohnt. Und nur zur Info: für die nächsten Tage wird der UV-Index laut KMI deutlich über sieben oder sogar über acht liegen. Und zwar landesweit. Also bitte besonders vorsichtig sein.
Boris Schmidt