Auf den Schlachtfeldern der Ukraine können die russischen Aggressoren seit Monaten offenbar kaum noch Fortschritte verbuchen. Mancherorts scheint sogar die ukrainische Armee wieder in die Offensive gehen zu können. Aber je mehr der russische Diktator Wladimir Putin in die Enge getrieben wird, desto wahlloser und brutaler werden seine Angriffe auf zivile Ziele.
Wobei russische Angriffe auf nicht-militärische Ziele ja an sich nichts Neues sind, weder in der Ukraine noch anderswo. Die Terrortaktik ist fester Bestandteil der russischen Strategie. Entsprechend inständig bitten die Ukrainer auch schon seit Beginn der großangelegten Invasion um so viel westliche Hilfe wie möglich zur Verteidigung ihres Luftraums. Und in diesem Zusammenhang standen und stehen auch weiterhin F-16-Kampflugzeuge auf der Wunschliste von Selenskyj ganz oben.
Die Maschinen seien überlebensnotwendig, versichern die Ukrainer immer wieder, gerade auch zur Abwehr der Schwärme iranischer Schahed-Drohnen. Immerhin ist die Situation auch in dieser Hinsicht nicht mehr ganz so verzweifelt, die Ukraine hat von ihren westlichen Verbündeten mittlerweile etwa 50 F-16-Kampflugzeuge bekommen. Sie stammen aus den Niederlanden, aus Dänemark und Norwegen.
Auslaufmodell
Im westlichen Arsenal ist die F-16 allerdings ein Auslaufmodell. "Die F-16 sind das erfolgreichste Programm der militärischen Luftfahrtgeschichte gewesen", sagt Verteidigungsminister Theo Francken. Es seien wirklich fantastische Plattformen. Aber auch in Belgien sei man am Ende des Programms angekommen. Die in die Jahre gekommenen belgischen F-16 sollen nach und nach durch F-35 ersetzt werden. Ein Prozess, der auch schon begonnen hat.
Dass die F-16 im Westen nach und nach ausgemustert werden, hat aber auch Folgen für ihre Zukunft in ukrainischen Diensten: Die westliche Rüstungsindustrie produziert nämlich logischerweise immer weniger Ersatzteile für die F-16. Und wenn es keine neuen Ersatzteile gibt, werden alte Maschinen zur einzigen verfügbaren Quelle, um andere Maschinen weiterfliegen lassen zu können.
Auch Belgien hatte der Ukraine F-16 zugesagt, damals noch unter der Regierung De Croo. "Es ist natürlich an der Ukraine zu entscheiden, was sie mit überlassenen F-16 macht, auch mit den belgischen", sagt Francken. Sie könnten zum Beispiel zum Ausschlachten dienen, um andere F-16 weiter einsetzen zu können. Die ehemaligen niederländischen, dänischen und norwegischen F-16, mit denen die Ukrainer aktuell kämpfen, sind nämlich ein ganzes Stück jünger als die belgische Flotte. Es würde sich also anbieten, belgische Maschinen nach der Übergabe als Ersatzteillager zu nutzen.
Wobei Francken auch nicht ausschließen will, dass auch ex-belgische Maschinen noch Missionen fliegen könnten zur Verteidigung der Ukraine. Das müssten aber die Ukrainer selbst entscheiden. Bei Bedarf und in einer dramatischen Situation wie man sie jetzt im Krieg habe, sei es durchaus vorstellbar, dass man Maschinen länger fliege als von Werk aus vorgesehen.
Bisher hat Belgien der Ukraine sieben F-16 überlassen, 2027 und 2028 sollen etwa 20 weitere folgen. Die Übertragung der Maschinen geht allerdings langsamer, als von der Regierung De Croo ursprünglich in Aussicht gestellt. Als eine Art Ausgleich soll Belgien der Ukraine nun seine gesamte verbleibende F-16-Flotte schenken wollen. Das berichtet die Zeitung De Morgen unter Berufung auf gut informierte Kreise.
Francken: Ukraine kann alle F-16 haben
Die Regierung hat noch keine entsprechende Entscheidung getroffen. Wenn es nach Francken geht, könnten die Ukrainer aber in der Tat alle belgischen F-16 haben. Allerdings unter einer wichtigen Auflage: Dass Belgien wie vorgesehen seine F-16 durch F-35 ersetzen könne. "Je besser das läuft, desto schneller kann man die F-16 an die Ukraine abgeben", sagt Francken. Er werde alles in seiner Macht Stehende tun, um den Ukrainern so schnell wie möglich zu helfen.
Beobachter gehen davon aus, dass sich die Regierung zwar engagieren wird, der Ukraine die restliche F-16-Flotte zu überlassen, aber noch jetzt keine offizielle Entscheidung treffen wird. Die kommt vielleicht erst 2028, im Rahmen der Genehmigung weiterer Militärhilfen für die Ukraine.
Boris Schmidt