Zwei Drittel der Belgier finden, dass sich die wirtschaftliche Lage des Landes in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert hat. Vor einem Jahr, als RTBF, VRT und De Standaard die gleiche Umfrage schon einmal durchgeführt hatten, waren neun Prozent weniger Belgier dieser Meinung. Viele sind mit den Reformen der Regierung nicht einverstanden, mit denen die Wirtschaft wieder in Schwung gebracht werden soll.
Mehrwertsteuer-Reform am stärksten kritisiert
Die Reform der Mehrwertsteuer mit zum Teil höheren Tarifen wird am stärksten kritisiert. Nur jeder fünfte Flame, jeder achte Bewohner von Brüssel und noch nicht einmal jeder zehnte Wallone findet die Maßnahme richtig.
Ein bisschen besser schneidet der Indexdeckel für Brutto-Gehälter ab 4.000 Euro ab, obwohl auch diese Maßnahme deutlich abgelehnt wird. Nur gut ein Viertel aller Befragten findet den Deckel wirklich gut.
Auch die Rentenreform verliert an Zustimmung. In Flandern ist eine Mehrheit der Befragten zwar immer noch dafür, aber die Zustimmung bröckelt. In der Wallonie und in Brüssel lehnt eine klare Mehrheit der Bürger die Rentenreform dagegen deutlich ab.
Auch Zustimmung für Regierung
Einige Reformen der Regierung treffen dagegen auch auf Zustimmung. Die Beschränkung des Arbeitslosengeldes auf maximal zwei Jahre zum Beispiel wird von einer deutlichen Mehrheit begrüßt. Gleiches gilt für die Stärkung der Kontrolle von Langzeitkranken, also von angeblich arbeitsunfähigen Menschen.
Die neue Kapitalertragssteuer, die vor allem reichere Menschen treffen soll, und auch die deutlichen Mehrausgaben für das Militär bekommen weiterhin die Zustimmung der Mehrheit. Allerdings fällt sie deutlich geringer aus als noch vor einem Jahr.
Persönliche Situation spielt eine Rolle
Dass gerade die Entscheidungen kritisiert werden, die den eigenen Geldbeutel betreffen beziehungsweise möglicherweise betreffen könnten, scheint an der Einschätzung der eigenen, persönlichen Situation der Bürger zu liegen. Die wird von vielen nicht ausreichend gut bewertet. Jeder dritte Wallone gibt zurzeit an, Schwierigkeiten zu haben, mit seinem Einkommen alle Ausgaben im Monat zu bestreiten. Das sind zwei Prozent mehr Wallonen als noch vor einem Jahr.
In Brüssel hat laut Umfrage jeder vierte Bürger Schwierigkeiten damit, am Ende des Monats noch Geld übrig zu haben, und in Flandern sind es auch noch immerhin 18 Prozent, ein Prozent mehr als noch vor einem Jahr.
Kay Wagner