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Jeder zehnte Arbeitnehmer Opfer von Mobbing – So früh wie möglich gegensteuern

27.05.202612:23
Porträt eines unglücklichen Geschäftsmannes
Illustrationsbild: © Andriy Popov/Panthermedia

Im Arbeitsumfeld kann es immer mal Spannungen und Reibereien geben. Das ist normal, solange alles im Rahmen bleibt. Aber man muss aufpassen, dass daraus kein Mobbing wird. Denn Mobbing am Arbeitsplatz ist ein echtes Problem. Einer Studie zufolge ist jeder zehnte Arbeitnehmer betroffen.

Wer Mobbing schon mal am eigenen Leib erfahren musste, kann ein Lied davon singen: Es ist psychisch extrem belastend. Entsprechend dramatisch können die Folgen für das persönliche Wohlbefinden sein, sowohl mental als auch irgendwann mal körperlich. Es ist also ein echtes Gesundheitsrisiko.

Mobbing-Opfer weisen ein erhöhtes Burn-out-Risiko auf. Womit natürlich auch die Gefahr steigt, dass sie langfristig ausfallen. Und nicht nur das: Wer wegen Mobbing längere Zeit nicht arbeiten konnte, hat es auch deutlich schwieriger, sich wieder in die Arbeitswelt zu integrieren, wie Studien zeigen.

Nicht nur die Folgen von Mobbing werden oft unterschätzt, sondern auch das Ausmaß. Das ist nämlich gewaltig, wie eine breit angelegte Umfrage des externen Dienstes für Prävention und Schutz am Arbeitsplatz, Idewe, zeigt: Demnach ist jeder zehnte Arbeitnehmer in Belgien in den letzten fünf Jahren Opfer von Mobbing geworden.

Mobbing ist ein Problem, das bekämpft werden muss – im Interesse der Arbeitnehmer, aber auch der Arbeitgeber und letztlich der Gesellschaft als Ganzes. "Mobbing kommt in der Tat noch viel zu häufig vor", bestätigt Lode Godderis im Interview mit der VRT. Godderis ist Geschäftsführer des Idewe und Professor für Arbeitsmedizin.

Vor allem sehe man in den letzten fünf Jahren kaum einen Rückgang beim Mobbing. Man habe es also wirklich mit einem hartnäckigen Problem zu tun in den Betrieben. "Allerdings muss man aufpassen, dass man nicht jeden Streit oder Konflikt gleich als Mobbing sieht."

Mobbing: Ein sich wiederholendes Muster

Um unter die Definition von Mobbing zu fallen, müssen verschiedene Kriterien erfüllt sein. Unter anderem muss ein Muster vorliegen, das sich wiederholt, und das Verhalten muss sich über einen längeren Zeitraum hinziehen. Außerdem muss Absicht dahinterstecken. "Das Ziel der Person, die mobbt, ist, dem Selbstwertgefühl einer anderen Person zu schaden. Und zwar systematisch." Es gibt beim Mobbing also eine klare Rollenverteilung mit Täter und Opfer.

Mögliche Gruppendynamik

Dabei kann Mobbing alle möglichen Formen annehmen. Zu den häufigsten gehören Lästern oder Vorenthalten von arbeitsbezogenen Informationen. Auch verletzende Bemerkungen sind sehr üblich, oder dass Menschen sozial ausgeschlossen werden aus einer Gruppe.

"Meist beginnt das sehr subtil. Mobber agieren anfangs auch nur selten in Anwesenheit von anderen Kollegen oder Außenstehenden", erklärt Godderis. Das könne es für Opfer sehr schwierig machen, auch weil sie manchmal daran zweifelten, ob sie sich das Ganze nicht vielleicht nur einbildeten oder überempfindlich seien. Aber gerade das sei fatal. "Diese Frühphase des Mobbings ist die, in der Opfer noch am ehesten mit der Faust auf den Tisch schlagen könnten, um zu sagen: So nicht, Kollege!"

So klein Mobbing auch beginne, das gehe dann immer weiter und eskaliere. Oft bleibe es auch nicht bei verbalen Aggressionen, das könne dann wirklich auch zu physischen Angriffen führen. "Man sieht auch, wie dann eine Gruppendynamik entsteht. Die Täter versuchen, die Opfer immer mehr zu isolieren und aus der Gruppe auszustoßen", sagt Godderis. Das A und O ist also, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Und das bedeutet für Vorgesetzte, möglichst früh einzugreifen.

"Wenn die Situation schon so weit eskaliert ist, dass Opfer aus der Gruppe ausgeschlossen worden sind, man also wirklich über schwere Fälle von Mobbing redet, dann wird es sehr schwierig: für das Opfer, aber auch für andere, die eventuell noch korrigierend eingreifen wollen." Dann könne oft nur noch jemand von außen helfen, zum Beispiel eine externe Vertrauensperson oder ein Präventionsberater.

Firmen müssten also darauf achten, von Anfang an Vertrauen aufzubauen und ein Betriebsklima zu schaffen, in dem sich die Arbeitnehmer sicher genug fühlten, um problematisches Verhalten anderer anzusprechen und zu melden. Und Mobbing so früh wie möglich und deutlich einen Riegel vorzuschieben.

Boris Schmidt

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