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Ausreißen als letzter Ausweg - Der Teufelskreis der Einsamkeit muss durchbrochen werden

26.05.202612:48
  • Child Focus
Depression bei Jugendlichen (© Bildagentur PantherMedia / sabphoto)
Einsamkeit ist häufig ein Grund wegzulaufen (Illustrationsbild: © Bildagentur PantherMedia / sabphoto)

Child Focus hat den internationalen Tag der vermissten Kinder zum Anlass genommen, für das Problem von Kindern und Jugendlichen zu sensibilisieren, die ausreißen. Viele Fälle von vermissten Minderjährigen beginnen nämlich mit einem Weglaufen von zu Hause. Aber was sind eigentlich die Gründe dafür? Und was kann dagegen getan werden?

Rund 2.150 Meldungen über plötzlich von zu Hause verschwundene Minderjährige hat Child Focus im letzten Jahr bekommen. Eine erschreckend hohe Zahl, umgerechnet sind das nämlich fast sechs Kinder und Jugendliche pro Tag, die beschließen wegzulaufen. Und es werden immer mehr Fälle, die Child Focus erfasst: Fast ein Fünftel mehr waren es 2025 im Vergleich zum Jahr davor.

Ein trauriger Trend, den man leider schon einige Jahre feststellen müsse, so Nel Broothaerts, die Direktorin von Child Focus der VRT.  Dabei bleibe die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von zu Hause ausgerissen seien, eigentlich stabil. Aber man habe mehr Fälle, in denen Minderjährige mehr als einmal weggelaufen seien. "Die meisten jungen Ausreißer, die bei der Kinderschutzorganisation aktenkundig werden, sind zwischen 13 und 15 Jahren alt, etwas mehr als die Hälfte von ihnen, nämlich 55 Prozent, sind Mädchen." Aber darüber hinaus sei es schwierig, von so etwas wie typischen Profilen zu sprechen. Man habe es hier wirklich mit Kindern aus allen möglichen Bevölkerungsschichten und mit den unterschiedlichsten Hintergründen zu tun.

Die Child-Focus-Direktorin wehrt sich auch gegen die Vorstellung, dass viele von ihnen quasi aus einer Laune heraus weglaufen. Natürlich gebe es auch solche Fälle, aber diese Minderjährigen tauchten in den meisten Fällen sehr schnell und von selber wieder auf, das seien also mehrheitlich keine Fälle, bei denen Child Focus aktiv werden müsse.

Nicht aus einer Laune heraus

Das sei auch der erste Schritt, um das Phänomen junger Ausreißer besser zu verstehen. "Wer in so einem Alter von zu Hause ausreißt, sieht diesen Schritt als Notausgang, als letzte Lösung, um ernsten problematischen Situationen zu entkommen. Das ist definitiv keine Laune oder Kurzschlussreaktion und darf auch nicht so bagatellisiert werden."

Zweiter, ganz wichtiger Punkt: Bei den Ausreißern handelt es sich sehr oft um Kinder und Jugendliche, die es nicht geschafft haben, sich anderen anzuvertrauen, die niemand gefunden haben, um über ihre Probleme zu sprechen. "Einsamkeit ist also wirklich häufig so etwas wie ein roter Faden in diesen Fällen", sagt Nel Broothaerts.

Teufelskreis muss durchbrochen werden

Das sei dann logischerweise auch ein Punkt, bei dem man bei Kindern und Jugendlichen ansetzen müsse, die mehr als einmal wegliefen. "Der Teufelskreis der Einsamkeit muss durchbrochen werden." Nur so könne man – gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen natürlich – nach Lösungen suchen, damit Ausreißen nicht mehr der einzige vorstellbare Ausweg für die Betroffenen sei. In diesem Kontext sei es auch sehr wichtig, Ausreißern mit viel Verständnis und Wärme zu begegnen – so schwierig das in dem Moment auch manchmal sei.

Angst vor der Reaktion des Umfelds sei ein wichtiger Grund, warum Kinder und Jugendliche nicht zurückkehrten. "Die Botschaft muss sein, dass man bereit ist, über alles zu sprechen und vor allem auch zuzuhören." Falls das im familiären Umfeld nicht möglich sei, dann müsse eine andere Person gefunden werden, denen sich die Kinder und Jugendlichen anvertrauen könnten.

Das sieht Child Focus als beste Art der Prävention. Wiederholtes Ausreißen sei etwas, was wirklich verhindert werden müsse. "Denn jedes Mal, wenn Kinder und Jugendliche sich zu so einem Schritt der Verzweiflung entscheiden, setzen sie sich großen Risiken aus."

Boris Schmidt

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