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"Menschen-Safaris" in Sarajewo: Föderale Staatsanwaltschaft ermittelt

21.05.202607:14
zwei Menschen rennen auf einen Bus zu, um sich vor Schüssen in Sicherheit zu bringen. Ein Bild von 1993
März 1993: Ein Paar rennt auf einen Bus zu, um sich vor Schüssen in Sicherheit zu bringen (Bild: Vincent Amalvy/AFP)

Die föderale Staatsanwaltschaft ermittelt zu Vorwürfen, reiche Bürger westlicher Länder hätten während der Belagerung von Sarajewo in den 1990ern für das Schießen auf Zivilisten bezahlt. Auch Italien und Österreich prüfen die angeblichen "Menschen-Safaris" im Jugoslawienkrieg.

Die Ermittlungen der Mailänder Staatsanwaltschaft kamen im November letzten Jahres ins Rollen nach Recherchen eines italienischen Schriftstellers. Laut dessen Untersuchungen sollen unter anderem Italiener, Deutsche, Franzosen und Belgier dafür bezahlt haben, auf Zivilisten zu schießen. Das Geld sei an Verantwortliche der Armee der bosnischen Serben geflossen, die Sarajewo belagerten.

Organisiert worden seien die sogenannten "Menschen-Safaris" von Italien aus durch spezialisierte Agenturen. Pro Scharfschützen-Wochenende sollen die reichen Westler zwischen 80.000 und 100.000 Euro bezahlt haben. Gegen einen Aufpreis soll es sogar möglich gewesen sein, auf Kinder zu schießen. Insgesamt starben bei der 44 Monate dauernden Belagerung über 11.000 Menschen, darunter Hunderte Kinder.

Die Ermittlungen in Belgien basierten auf den in der Presse erschienenen Informationen über die angeblichen "Menschen-Safaris" in Sarajewo, so die föderale Staatsanwaltschaft. Weitere Kommentare oder Details werde es vorerst aus ermittlungstaktischen Gründen nicht geben. Die österreichische Staatsanwaltschaft ermittelt seit April gegen mindestens zwei Verdächtige, wie die dortige Staatsanwaltschaft am Mittwoch bestätigt hat.

Boris Schmidt

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