Die belgische Regierung will mit dem Energiekonzern Engie über eine mögliche Übernahme aller sieben Kernreaktoren in Doel und Tihange verhandeln. Während dieser Gespräche werden sämtliche Rückbauarbeiten an den Anlagen sofort gestoppt. Ziel ist es, die nuklearen Aktivitäten vollständig in staatliche Hand zu bringen, um die Laufzeiten bestehender Reaktoren zu verlängern und neue Kapazitäten aufzubauen.
Premierminister Bart De Wever betont, man setze auf sichere, bezahlbare und nachhaltige Energie sowie auf mehr Unabhängigkeit von fossilen Importen.
"Wir müssen uns von fossilen Brennstoffen lösen", sagte De Wever in der VRT. "Wenn wir gleichzeitig auf Atomenergie verzichten wollen, dann müssten die Reaktoren durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Um also unabhängiger von Gasimporten zu werden, müssen wir in Zukunft weiter auf Kernkraft setzen", so De Wever.
Man plane ja auch den Bau neuer Anlagen, zum Beispiel modularer Atomreaktoren. Und man werde sich auf die Suche nach Partnern machen, die bereit sind, dieses Projekt entschlossen mitzutragen.
Eine Einigung über die wichtigsten Bedingungen soll bis Anfang Oktober erreicht werden - sicher ist ein Abschluss jedoch nicht. Aktuell sind nur noch zwei Reaktoren aktiv, deren Betrieb bis 2035 verlängert wurde.
Die Ankündigung der föderalen Regierung stößt bei den Koalitionsparteien CD&V und N-VA auf Zustimmung. Der CD&V-Vorsitzende Sammy Mahdi bezeichnet den Schritt als richtig und erinnert daran, dass er sich bereits vor zwei Jahren bei den Regierungsverhandlungen dafür eingesetzt habe.
Nun wolle man noch weiter gehen: längere Laufzeiten für bestehende Reaktoren, Investitionen in neue Generationen von Kernkraftwerken und gleichzeitig ein schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien. Ziel sei mehr Unabhängigkeit von Energieimporten.
Auch der N-VA-Energieexperte Bert Wollants spricht von einem wichtigen ersten Schritt zur Sicherung der Energieversorgung.
belga/sh