Wie eine Bombe platzte die Nachricht zwar nicht in die Weltöffentlichkeit, aber für einige Wellen sorgt sie doch: Die Nachricht, dass die Vereinigten Arabischen Emirate die Opec verlassen wollen. Und zwar nicht irgendwann, sondern quasi sofort. In zwei Tagen soll es schon so weit sein.
In der Opec sind die Emirate ein Schwergewicht. Hinter der absolut dominierenden Macht Saudi-Arabien und dem Irak gelten die Emirate im Bündnis zurzeit als drittgrößter Förderer von Erdöl. Einen solchen Partner zu verlieren wird Spuren bei der Opec hinterlassen.
Zwei Dinge, so die Einschätzung von Adel El Gammal, Professor für Geopolitik und Energie an der Freien Universität Brüssel, haben die Scheichs in Abu Dhabi zu diesem Schritt bewogen. Bei der RTBF sagte El Gammal: "Abu Dhabi möchte kurzfristig von seinem Ölreichtum profitieren und seinen Gewinn maximieren. Auch zu niedrigeren Preisen."
Im Kartell Opec ist so etwas nicht möglich. Hier müssen sich die Emirate an Quoten halten. Der Gewinn kann immer nur so hoch ausfallen, wie der gemeinsame Opec-Beschluss das zulässt. Diese Fessel soll jetzt fallen.
Daneben sieht El Gammal auch eine politische Motivation für den Opec-Austritt. "Es gibt ein zweites, eher politisches Element", sagt er. "Die Emirate sind mit Sicherheit das Land, das am stärksten während des Iran-Kriegs angegriffen worden ist, und haben eine offensivere Art als andere Länder im Golf, mit so einer Situation umzugehen."
Tatsächlich hatten sich die Emirate über die fehlende Solidarität der Nachbarstaaten beschwert, als gerade die Emirate mit ihrer Touristen-Hochburg Dubai besonders viele iranische Angriffe erleiden musste. Letztlich half Israel aus und soll den Emiraten sein Luftabwehrsystem zur Verfügung gestellt haben.
Länger anhaltende Konsequenzen für den Ölpreis auf den internationalen Märkten wird der Schritt der Emirate zunächst hingegen kaum haben. Das sagt sowohl El Gammal als auch der Energieexperte Sam Hamels von der Universität Gent.
"Zwar kann es als kurzfristige Reaktion durchaus sein, dass der Ölpreis in den kommenden Tagen ein bisschen nach unten geht", so Hamels am Mittwochmorgen bei der VRT. "Aber grundsätzlich werden die Preise so lange hoch bleiben, wie der Krieg in der Golfregion noch dauert."
Langfristig allerdings könne man mit Sicherheit damit rechnen, dass der Ölpreis wegen des Opec-Austritts der Vereinigten Arabischen Emirate falle, fügte Hamels hinzu. "Denn wenn ein Land nicht mehr an die Quoten, die das Kartell vorschreibt, gebunden ist, kann es maximal von seinem Ölreichtum profitieren und Geld damit verdienen."
El Gammal sieht das genauso. "Wenn der Öltransport aus dem Golf wieder möglich sein wird", sagt er, "wird die Opec weniger Möglichkeiten haben, den Ölpreis nach ihren Vorstellung auf dem Weltmarkt zu diktieren."
Die Emirate können dann nämlich das Öl zu dem Preis verkaufen, zu dem sie es wollen. Der wird wahrscheinlich unter dem Opec-Preis liegen und diesen Opec-Preis dann auch nach unten zwingen. Belgien könnte davon profitieren.
Kay Wagner