Obwohl der Monat April noch nicht einmal zu Ende ist, hat Belgien bei den Strom-Importen aus dem Ausland schon einen neuen Rekord aufgestellt. Das berichtet die Zeitung De Standaard unter Berufung auf Zahlen der spezialisierten Webseite "Energy-Charts".
Laut "Energy-Charts" hat Belgien im laufenden Monat bereits fast 2,36 Gigawattstunden an Elektrizität eingeführt. Eine Gigawattstunde entspricht einer Milliarde Wattstunden. Der vorherige Rekord betrug circa 2,28 Gigawattstunden und wurde im August 2015 erreicht.
Bezogen auf den gesamten bisherigen Stromverbrauch in Belgien im April mussten damit etwa 42 Prozent des Bedarfs über Importe gedeckt werden. Auf einzelne Tage bezogen fällt die Bilanz noch dramatischer aus. Am 18. April beispielsweise wurden sogar 58 Prozent des belgischen Verbrauchs über ausländischen Strom gedeckt, also deutlich mehr als die Hälfte.
Als Hauptursache für dieses Ungleichgewicht gelten die belgischen Atomreaktoren: Seit Anfang des Monats ist kein belgischer Atomstrom mehr verfügbar, weil die zwei noch laufenden Reaktoren Doel 4 und Tihange 3 wegen Unterhalts- und Modernisierungsmaßnahmen vom Netz genommen worden sind.
Diese Arbeiten sind notwendig für die Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren bis 2035. Die wegfallenden Kapazitäten müssen zwischenzeitlich aber eben durch Importe aus dem Ausland kompensiert werden.
Strompreis am Sonntag unter Null gefallen
Gleichzeitig ist der Strompreis am Sonntag vorübergehend unter Null gefallen. Auf dem Großhandelsmarkt lag der Preis für Elektrizität am frühen Nachmittag bei - 479 Euro pro Megawattstunde. Noch nie war der Preis so tief. Der bisherige Rekord stammt aus dem Mai letzten Jahres.
Ein negativer Preis bedeutet, dass Verbraucher dafür bezahlt werden, Strom zu verbrauchen, und dass die Versorger zahlen müssen, um ihn zu liefern. Dies geschieht, wenn das Angebot sehr groß und die Nachfrage eher gering ist.
Am Sonntag wurde wegen der hohen Zahl von Solaranlagen eine große Menge Strom erzeugt, während die Nachfrage gering war. Die Strompreise sind im Frühjahr und Sommer immer wieder negativ, besonders an Wochenenden.
Verbraucher, die einen Vertrag mit einem festen oder variablen Tarif haben, merken wenig von den negativen Preisen. Verbraucher mit einem dynamischen Tarif und große Industrieunternehmen können davon profitieren.
belga/vrt/schb/est